Fußball-WM, Moral und Arbeitszeit

Fußball-WM, Moral und Arbeitszeit

Fußball-WM, Moral und Arbeitszeit

Die kommenden Wochen werden hart: Die Fußball-WM hat begonnen. Für jeden Fan, der sich im Vorfeld, ganz nach „offizieller Lesart“, eher abwertend zu dieser Veranstaltung geäußert hat, für den wird es jetzt eng. Wohl oder übel wartet nun das moralische Dilemma und das nicht zum ersten Mal in jüngerer Zeit. Sollen lautstark propagierte Wertvorstellungen auch konsequent durchgehalten werden, bedürfte es eines Boykotts. Doch dazu können sich mit zunehmender Dauer der Spiele, sicher absehbar, nur noch die wenigsten durchringen. Vielfach wird es bei Lippenbekenntnissen bleiben, alles andere hätte auch Konsequenzen. Der Unterschied zu früheren Weltmeisterschaften wird in der visuellen Begleitung auch nur marginal sein.

Die Anstoßzeiten liegen wegen der geringen Zeitverschiebung meist im erträglichen Bereich. Doch falls die deutsche Mannschaft diesmal ins Finale durchmarschiert, sind volle 4 Wochen Fußball einzuplanen. Mit regelmäßiger Arbeitszeit oder wechselndem Schichtbeginn, ist der Dauerkonsum der Spiele nicht durchzuhalten.

Das Ereignis der Fußball-WM bestimmt also unweigerlich bei vielen den Alltag, mal mehr und mal weniger. Das ist nicht immer im Sinne von Partner und Familie. Da heißt es, Prioritäten zu setzen. Natürlich auch im Job, wo der Fußball ebenso präsent sein wird. Das birgt auch diverse Gefahren. Schließlich bleiben ungeachtet des Turniers die Arbeitszeiten verbindlich. 

Besonders clevere Enthusiasten haben deshalb natürlich rechtzeitig ihren Urlaub beantragt. Manche Arbeitgeber bieten auch flexible Sonderregelungen, vor allem an den Tagen, an denen die Deutschen spielen. So kann man auf das Entgegenkommen seines Chefs hoffen, was Radio oder ähnliches am Arbeitsplatz betrifft. Verlassen sollte man sich darauf aber nicht. Anspruch auf besondere Lockerungen im Arbeitsalltag hat man rechtlich in diesem Zusammenhang ohnehin keine. 

Oftmals ist das aber auch gar nicht praktikabel. Viele Jobs lassen derlei Ablenkung überhaupt nicht zu, da erübrigt sich dann auch jede Diskussion. Schließlich schuldet jeder Beschäftigte während der Arbeitszeit die vereinbarte Leistung durch seine volle Arbeitskraft. Alles andere hat rechtliche Konsequenzen, auch in Zeiten einer Fußball-WM. 

Wer keinen Urlaub opfern darf oder will, der kann in letzter Not noch versuchen, seine Überstunden genehmigt abzubauen oder mit dem Chef über unbezahlten Urlaub zu sprechen. Immerhin ist diese Variante bis zu einem Monat Dauer möglich, ohne dass sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen drohen. Doch nicht jeder Chef will da auch mitspielen. 

Einfach krankfeiern oder blaumachen geht allerdings gar nicht. Da ist es dann wie im Fußball: Wer gegen die Regeln verstößt, der wird verwarnt. Wer wiederholt unsportlich auffällt, der darf nicht mehr mitspielen. Solche Eskapaden bringen auch den Kollegenkreis gehörig in Rage. Sie müssen das Liegengebliebene zusätzlich mit abarbeiten. Mit Teamgeist hat das dann gar nichts zu tun. 

Ein weiteres Foul dürfte vorliegen, wenn ohne Erlaubnis am Arbeitsplatz ein Spiel verfolgt wird. Besser vorher den Chef um Erlaubnis bitten. Die WM-Euphorie bietet aber auch Arbeitgebern eine vorzügliche Möglichkeit, das Betriebsklima zu optimieren, sei es nun durch großzügige Arbeitszeitregelungen oder durch gemeinsame Events nach Feierabend. 

In jedem Fall nicht vergessen: Fußball ist auch ein Mannschaftssport. Wie im Job, so zählen auch hier Teamgeist und Fairness. Andernfalls gehört man über kurz oder lang nicht mehr zur Mannschaft.

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Bild von Rosy – The world is worth thousands of pictures auf Pixabay