Zeitenwende auch bei den Nachnamen?

Zeitenwende auch bei den Nachnamen?

Zeitenwende auch bei den Nachnamen?

Die Bundesregierung hat mit dem Koalitionsvertrag die Leitlinien ihrer Politik festgelegt. Vorgenommen hat man sich darin eine Menge. Was letzten Endes davon auch tatsächlich zur Umsetzung gelangt, das wird vor der nächsten Bundestagswahl auf den Prüfstand gestellt. Es geht um eine generelle Modernisierung des Staates, mehr Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Dabei sind viele Vorhaben längst überfällig. Andere Staaten sind uns bei den drängendsten Themen der Zukunft weit voraus. Dazu zählt unter anderem auch das Namensrecht. Das mag auf den ersten Blick verwundern. Doch bei genauerer Betrachtung ist es eben einer dieser kleinen Bausteine, die dem Gesamtkonstrukt der Vorhaben erst zur wirklich erfolgreichen Umsetzung gereichen können. Dabei soll das Namensrecht vor allem bei der Thematik der Doppelnamen grundlegend liberalisiert werden. Bisher geht es beim Nachnamen noch sehr restriktiv zu, schließlich stammt das Namensänderungsgesetz (NamÄndG) bereits aus dem Jahre 1938 und ist mit nur marginalen Anpassungen bis heute gültig.

Alte Traditionen – altes Gesetz

Historisch sind Nachnamen erst relativ spät entstanden. Lange Zeit war der Rufname ausreichend, um jemanden anzusprechen oder zu bezeichnen. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte war das aber auch nicht mehr problemlos möglich. Um sich als Ansprechpartner von einander unterscheiden zu können, wurden dem Rufnamen einfach beschreibende Wörter hinzugefügt. Diese orientierten sich oft am Beruf, an Wohnstätten, an Herkunftsorten, dem Aussehen, dem Charakter oder an einer Familientradition. Diese Nachnamen, die auch als Familienname, Zuname oder einfach nur als Name bezeichnet werden, waren seitdem amtlich verbindlich, lebenslang gültig und vererbbar.

Nicht jeder ist mit seinem angeborenen Familiennamen glücklich. Manche lösen dieses Problem durch eine Eheschließung. Zwar sind Eheleute nicht verpflichtet, einen gemeinsamen Namen zu wählen, beide Partner können auch ihre jeweiligen Geburtsnamen behalten. Lediglich bei der Geburt des Nachwuchses müssen sie eine Entscheidung treffen. Dies kann der Geburtsname der Frau oder des Mannes sein. Auf dem Standesamt gibt das Paar seine Entscheidung bekannt. Der Name kann sogar aus einer früheren Ehe stammen. Heiratet beispielsweise eine Frau ein zweites Mal und bestimmt den mitgebrachten Namen mit ihrem neuen Partner als Ehenamen, dann muss dies der frühere Mann akzeptieren. Eine weitere Entscheidung kann der Partner treffen, dessen Nachname nicht als Ehename gewählt wurde. Er kann seinen eigenen Namen dem Ehenamen voranstellen oder anfügen. Es spielt keine Rolle, ob es sich dabei um seinen Geburtsnamen oder um seinen Nachnamen zum Zeitpunkt der Heirat gehandelt hat. So ein zusammengesetzter Name ist aber nur für einen Partner möglich. Denn einen gemeinsamen Doppelnamen können Ehepaare nicht wählen

Änderung beim Nachnamen nur begrenzt möglich

Wird die Ehe durch Scheidung oder Tod aufgelöst, gibt es mehrere Möglichkeiten. Der geschiedene oder verwitwete Partner kann seinen Nachnamen behalten, den eigenen Geburtsnamen wieder annehmen oder den Ehenamen ergänzen. Das geschieht, indem er dem fortgeführten Ehenamen entweder seinen Geburtsnamen oder den Namen, den er bei Bestimmung des Ehenamens geführt hat, beifügt. Die Entscheidung muss er dem Standesamt mitteilen. 

Ansonsten kann man seinen Nachnamen in Deutschland nur sehr begrenzt ändern. Danach ist der Wunsch nach Änderung des Nachnamens zwingend an einen wichtigen Grund gebunden. Dieser ist gegeben, wenn das schutzwürdige Interesse des Antragstellers an der Namensänderung das öffentliche Interesse oder das Interesse anderer Beteiligter an der Beibehaltung des Namens überwiegt. Beispiele hierfür sind: anstößige oder lächerlich klingende oder Anlass zu frivolen Wortspielen liefernde Namen, komplizierte Schreibweisen oder Aussprachen oder auch häufig vorkommende Allerweltsnamen. Das reine Nichtgefallen scheidet als Begründung aus.  

Liberalisierung und Gleichschritt mit der Wirklichkeit

Hier verspricht der Koalitionsvertrag Änderungen und inzwischen sind erste Anhaltspunkte möglicher Umsetzung bekannt. So soll die Wahl des Doppelnamens grundsätzlich jedem möglich sein, soweit sich die Kombination auf zwei Nachnamen beschränkt. Darüber hinaus wird über die Möglichkeiten einer Verschmelzung zweier Nachnamen nachgedacht, ähnlich wie es in Großbritannien schon heute möglich ist. Darüber hinaus soll eine Namensänderung außerhalb von Eheschließung oder Scheidung künftig ohne Grund alle zehn Jahre möglich sein. Dieser Wunsch allerdings wird zu weiteren Kontroversen anregen. Doch auch hier hilft ein Blick über die Landesgrenzen hinaus.

Bei allen Bestrebungen zur Liberalisierung des Namensrechts soll immer auch die Namensqualität des Nachnamen erhalten bleiben. Die totale Freiheit bei der Auswahl ist auch hier nicht angedacht. 

Noch mehr Antworten auf drängende Fragen gesucht? Unser Ratgeber ist der Helfer für schwierige Zeiten im Job.

Bildquelle: bit.ly/3zwWqpq