Homeoffice, Corona und die alten Probleme

Homeoffice, Corona und die alten Probleme

Arbeitsminister Hubertus Heil plante seit langem schon, im Rahmen seiner Reform des Arbeitsmarktes, auch den Rechtsanspruch auf Homeoffice.

Damit wollte er anderen europäischen Staaten nacheifern, die derlei bereits recht lange praktizieren. Doch hat er sich mit seinen Plänen reichlich Zeit gelassen. Zu groß war das Thema inzwischen geworden. Solch ein Vorhaben ist schließlich nicht mit einem Wisch zu erledigen. Es hätte wahrlich akribischer Vorbereitung und vor allem auch Weitsicht bedurft.

Doch dafür ist es nun erst mal zu spät. Das Corona-Virus bringt nicht nur die Weltwirtschaft ins Wanken, auch Homeoffice soll plötzlich flächendeckend möglich sein. Und zwar ohne die notwendigen Regeln, die man seit langem dafür aufstellen wollte. Was Politik bisher verschlafen hat, das sollen Arbeitgeber nun flexibel und vor allem auch großzügig ermöglichen.

Doch diese Empfehlung bleibt auch diesmal im Ungefähren stecken. Schließlich hat auch bisher niemand ernsthaft unsere Rechtsordnung im Allgemeinen außer Kraft gesetzt. Insofern muss der Arbeitgeber weiterhin für alles gerade stehen, was in einem Homeoffice so alles passieren kann. Eine Haftungsfreistellung jedenfalls ist mit der dringenden Empfehlung seitens der Politik nicht gegeben worden.

In Deutschland räumen bisher weder Gesetze noch die meisten Tarifverträge Ansprüche auf die Arbeit im Homeoffice ein.

Die Entscheidung liegt auch in Corona-Zeiten bei den Firmen selbst. Wenn auch viele Arbeitgeber diesem Thema aufgeschlossen gegenüber sind, so bleibt die überwiegende Mehrzahl vor allem misstrauisch. Gezweifelt wird dabei meist pauschal am Leistungswillen, sobald die Kontrolle fehlt.

Lässt sich der Chef nun also doch notgedrungen und auch freiwillig auf eine Tätigkeit aus dem Homeoffice ein, so müssten zwingend grundlegende Fragen geklärt werden: Einmal geht es um die Kosten des heimischen Arbeitsplatzes und daneben um seine Ausstattung. Hier ist vieles denkbar. Bisher jedoch zahlt meist der Chef dem Arbeitnehmer eine monatliche Pauschale, die alle Kosten abdeckt. Kontrollieren darf er im Gegenzug die Örtlichkeiten nicht so ohne Weiteres. Es handelt sich schließlich um die Wohnung des Beschäftigten.

Die Handhabung dieser Frage kann aber entscheidend sein, um das gegenseitige Vertrauen zu fördern.

Immerhin genießt der Beschäftigte während seiner beruflichen Tätigkeit im Homeoffice den vollen Arbeits- und Gesundheitsschutz des Arbeitgebers. Passiert ihm also während der vereinbarten Arbeitszeit und in Ausübung seiner Tätigkeit etwas, gilt dies unter Umständen auch als Betriebsunfall. Mit allen Konsequenzen für den Arbeitgeber.

Soweit Homeoffice zwischen den Vertragsparteien vereinbart ist, trifft den Arbeitgeber auch in den betriebsfremden Räumen die volle Fürsorgepflicht und Verantwortung für Sicherheit und Gesundheit der betreffenden Mitarbeiter. Um den Anforderungen der Privatsphäre gerecht zu werden, beschränkt sich die Arbeitsstätten-Verordnung (ArbStättV) nur noch darauf, dass lediglich die grundlegenden Anforderungen für Bildschirmarbeitsplätze erfüllt sein müssen. Es kommt also vornehmlich auf die Einrichtung und Ausstattung des Bildschirmarbeitsplatzes an. Darüber hinaus sind diese sogenannten Telearbeitsplätze nach § 3 ArbStättV nur noch einer Gefährdungsbeurteilung bei erstmaliger Begehung und Unterweisung zu unterziehen.

Das hat allerdings auch zur Folge, dass etwaige Unfälle im Homeoffice oft nur dann als Arbeitsunfall gelten, soweit sie am räumlich eng begrenzten Telearbeitsplatz geschehen. Nicht versichert hingegen sind die Wege innerhalb der Wohnung, sei es zur Toilette, in die Küche oder auf den Balkon.

Darüber hinaus spielt auch die Einhaltung der Arbeitszeit im Homeoffice eine Rolle.

Der Arbeitgeber muss sich nicht nur darauf verlassen können, dass die vereinbarte Leistung vollumfänglich erbracht wird. Er muss auch für die Beachtung des Arbeitszeitgesetzes sorgen, was die tägliche Arbeitszeit radikal beschränkt. Nach der gesetzlichen Regelung ist der Ort der Leistung völlig egal.

Wenn motivierte Arbeitnehmer am heimischen Computer die Sache zeitlich übertreiben, muss der Chef einschreiten. Andernfalls riskiert er gefährlich hohe Bußgeldzahlungen. Verlässlichkeit und Vertrauen sind demnach die Grundwerte, auf denen die Vereinbarung der Arbeit im Homeoffice passieren kann. Fehlt es daran, so wird eine Ablehnung des Ansinnens wohl auch zukünftig die Regel sein. 

In der Zeit der Pandemie aber steckt der Arbeitgeber natürlich in einer Zwickmühle. Einerseits muss und will er seinen Betrieb am Leben halten und muss dabei auch seine Beschäftigten bezahlen. Diese müssen also weiterhin ihre vereinbarte Leistung erbringen.

Damit sie das können, müssen sie zwingend gesund bleiben. Das gelingt wohl zur Zeit am besten ohne viele Sozialkontakte. Das Homeoffice ist für viele Arbeitnehmer also fast alternativlos.

In Anbetracht der alten Haftungsrisiken sind manche Arbeitgeber aber auch jetzt noch kreativ: Sie ordnen statt des Homeoffice ein Mobile-Office an und stellen dem Arbeitnehmer damit ins Belieben, von wo aus er arbeiten möchte. Insoweit trägt dieser auch alle dann auftretenden Probleme selbst. Wer will es wem verdenken?

Es bleibt zu hoffen, dass Politik in Zeiten höchster Not auch einen Blick für die Erforderlichkeiten der Zukunft hat. Ansonsten bleiben Problemlagen und deren Lösungen auch weiterhin nur den unmittelbaren Akteuren überlassen. Dann hätte man aus der momentanen Krise wirklich nichts gelernt und jegliches Maß an Glaubwürdigkeit verspielt.

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Bildquelle: lukasbieri – pixabay.com/de/business-mann-laptop-arbeit-2452805/