Kommt nun der Rechtsanspruch auf Homeoffice?

Kommt nun der Rechtsanspruch auf Homeoffice?

Arbeitsminister Hubertus Heil plant mit seinen neuen Vorschlägen zur Reform des Arbeitsmarktes auch den Rechtsanspruch auf Homeoffice.

Damit will er anderen europäischen Staaten nacheifern, die derlei schon lange praktizieren. So haben beispielsweise niederländische Arbeitnehmer bereits seit drei Jahren einen Rechtsanspruch auf die Tätigkeit im Homeoffice.

Doch ganz so einfach, wie sich das alles anhört, ist es aber in der Praxis noch lange nicht. Natürlich müssen auch die Niederländer weiterhin einen Antrag bei ihrem Chef stellen, um ihren Job ganz oder teilweise von zu Hause aus erledigen zu können. Der Arbeitgeber kann das auch in Zukunft ablehnen. Nach geltendem Recht liegt dort aber die Beweislast beim Arbeitgeber, dass es für die Ablehnung schwerwiegende dienstliche oder betriebliche Interessen gibt. Die Ablehnungsgründe sind abschließend im extra geschaffenen Gesetz geregelt.

In Deutschland räumen bisher weder Gesetze noch die meisten Tarifverträge Ansprüche auf die Arbeit im Homeoffice ein.

Die Entscheidung liegt bei den Firmen selbst. Wenn auch viele Arbeitgeber diesem Thema aufgeschlossen gegenüber sind, so bleibt die überwiegende Mehrzahl vor allem misstrauisch. Gezweifelt wird dabei meist pauschal am Leistungswillen, sobald die Kontrolle fehlt.

Das ist allerdings eine Fehlvorstellung, die durchaus wirtschaftliche Tragweite besitzt. In Umfragen hat sich immer wieder herausgestellt, dass Heimarbeiter oft als besonders produktiv und hoch motiviert gelten. Schließlich entfallen weitestgehend zeitintensive Meetings, Absprachen, Rückfragen, stressige Arbeitswege und weitere Störfaktoren.

Lässt sich der Chef also freiwillig auf eine Tätigkeit aus dem Homeoffice ein, so müssen zwingend grundlegende Fragen geklärt werden. Einmal geht es um die Kosten des heimischen Arbeitsplatzes und daneben um seine Ausstattung. Hier ist vieles denkbar. Meistens jedoch zahlt der Chef dem Arbeitnehmer eine monatliche Pauschale, die alle Kosten abdeckt. Kontrollieren darf er im Gegenzug die Örtlichkeiten nicht so ohne Weiteres. Es handelt sich schließlich um die Wohnung des Beschäftigten.

Die Handhabung dieser Frage kann aber entscheidend sein, um das gegenseitige Vertrauen zu fördern.

Immerhin genießt der Beschäftigte während seiner beruflichen Tätigkeit im Homeoffice den vollen Arbeits- und Gesundheitsschutz des Arbeitgebers. Passiert ihm also während der vereinbarten Arbeitszeit und in Ausübung seiner Tätigkeit etwas, gilt dies unter Umständen auch als Betriebsunfall. Mit allen Konsequenzen für den Arbeitgeber.

Soweit Homeoffice zwischen den Vertragsparteien vereinbart ist, trifft den Arbeitgeber auch in den betriebsfremden Räumen die volle Fürsorgepflicht und Verantwortung für Sicherheit und Gesundheit der betreffenden Mitarbeiter. Um den Anforderungen der Privatsphäre gerecht zu werden, beschränkt sich die Arbeitsstätten-Verordnung (ArbStättV) nur noch darauf, dass lediglich die grundlegenden Anforderungen für Bildschirmarbeitsplätze erfüllt sein müssen. Es kommt also vornehmlich auf die Einrichtung und Ausstattung des Bildschirmarbeitsplatzes an. Darüber hinaus sind diese sogenannten Telearbeitsplätze nach § 3 ArbStättV nur noch einer Gefährdungsbeurteilung bei erstmaliger Begehung und Unterweisung zu unterziehen.

Das hat allerdings auch zur Folge, dass etwaige Unfälle im Homeoffice oft nur dann als Arbeitsunfall gelten, soweit sie am räumlich eng begrenzten Telearbeitsplatz geschehen. Nicht versichert hingegen sind die Wege innerhalb der Wohnung, sei es zur Toilette, in die Küche oder auf den Balkon.

Darüber hinaus spielt auch die Einhaltung der Arbeitszeit im Homeoffice eine Rolle.

Der Arbeitgeber muss sich nicht nur darauf verlassen können, dass die vereinbarte Leistung vollumfänglich erbracht wird. Er muss auch für die Beachtung des Arbeitszeitgesetzes sorgen, was die tägliche Arbeitszeit radikal beschränkt. Nach der gesetzlichen Regelung ist der Ort der Leistung völlig egal.

Wenn motivierte Arbeitnehmer am heimischen Computer die Sache zeitlich übertreiben, muss der Chef einschreiten. Andernfalls riskiert er gefährlich hohe Bußgeldzahlungen. Verlässlichkeit und Vertrauen sind demnach die Grundwerte, auf denen die Vereinbarung der Arbeit im Homeoffice passieren kann. Fehlt es daran, so wird eine Ablehnung des Ansinnens wohl auch zukünftig nicht erfolgreich anfechtbar sein. 

Mit der Verordnung eines allgemeinen Rechtsanspruchs auf Homeoffice ist es demnach nicht getan. Hier braucht es weitreichende Anpassungen vor allem auch im Hinblick auf Arbeitszeit und Arbeitsschutz. Darüber hinaus muss die betriebliche Organisation final immer beim Arbeitgeber verbleiben. Er trägt schließlich auch allein das wirtschaftliche Risiko des Unternehmens.

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Bildquelle: lukasbieri – pixabay.com/de/business-mann-laptop-arbeit-2452805/