Sonntagsspaziergang als Arbeitsunfall

Sonntagsspaziergang als Arbeitsunfall

Dass man auch im Falle einer Krankschreibung seine persönliche Freiheit nicht einbüßt, das bestätigte einmal mehr das Sozialgericht in Düsseldorf. Es wertete einen Unfall während eines Sonntagsspaziergangs als Arbeitsunfall (SG Düsseldorf, Urteil v. 20.06.2017, Az. S 6 U 545/14). Nach Auffassung des Gerichts steht allein der Genesungsprozess im Vordergrund. Alle ihm nützenden Tätigkeiten während der Krankheit sind demnach zu respektieren und können in der Auswahl dem freien Ermessen des Betroffenen unterliegen.

Auf Anerkennung als Arbeitsunfall geklagt und letztlich obsiegt hatte ein Arbeitnehmer, der sich in einer genehmigten, stationären Rehabilitationsmaßnahme befand. Dort absolvierte er an einem Sonntag einem privaten Spaziergang, als er beim Überqueren eines Zebrastreifens von einem Auto erfasst und verletzt wurde. Daraufhin erhob der 60-jährige Anspruch auf Versicherungsleistungen aus der Berufsgenossenschaft als gesetzliche Unfallversicherung.

Dies Berufsgenossenschaft lehnte die begehrte Zahlung allerdings ab und verwies darauf, dass es sich bei dem Spaziergang um eine rein private, auf eigene Gefahr betriebene Tätigkeit gehandelt habe. Derlei sei nicht ärztlich verordnet gewesen und stehe damit in keinem Zusammenhang mit der Rehabilitation des Klägers. Ein rein zeitlich-örtlicher Zusammenhang reiche nicht aus, um einen Anspruch auf Versicherungsleistungen zu begründen.

Dem Betroffenen war zum Zwecke einer Gewichtsabnahme mehr Bewegung empfohlen worden. Mit dem Spaziergang wollte er aktiv zum Gelingen der Rehabilitationsmaßnahme beitragen, argumentierte das Unfallopfer.

Das Gericht folgte diesen Ausführungen:

Befindet sich ein Arbeitnehmer in einer Rehabilitationsmaßnahme und hat in diesem Zusammenhang einen Unfall, so stellt dies einen Arbeitsunfall dar und berechtigt zu Leistungen aus der gesetzlichen Unfallkasse. Dabei schadet es auch nicht, wenn der Unfall während eines Sonntagsspaziergangs geschieht. Auch ein außerhalb der Rehabilitation durchgeführter Sonntagsspaziergang könne einen Arbeitsunfall begründen, so die Richter.

Zwar habe der Spaziergang an einem therapiefreien Tag stattgefunden, doch bestehe durchaus ein Zusammenhang mit der Rehabilitationsmaßnahme des Mannes. Auch die fehlende ärztliche Verordnung spielte für das Gericht keine Rolle. Es reiche aus, so seine Begründung, wenn der Versicherte von seinem Standpunkt aus der Auffassung sein durfte, die Tätigkeit sei geeignet, der stationären Behandlung zu dienen und diese Tätigkeit zudem objektiv kurgerecht sei. Beides sei bei dem hier streitigen Spaziergang gegeben gewesen.

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Bildquelle: pcdazero – pixabay.com/de/wanderweg-spaziergang-trekking-2706081/