Wann bringt Krankheit den Job in Gefahr?

Wann bringt Krankheit den Job in Gefahr?

Die Krankheit von Beschäftigten verursacht, wirtschaftlich betrachtet, immer wieder erhebliche Verluste in den Unternehmen.

Nun könnte man meinen, ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein und immer ausgeklügeltere Vorsorgemaßnahmen würden dieses Problem abmildern. Doch weit gefehlt. Die Fehlzeiten wegen Krankheit sind in den letzten Jahren eher gestiegen. Zuletzt fehlten die Beschäftigten in Deutschland deshalb durchschnittlich an 19,5 Arbeitstagen im Jahr.

In Folge der Covid-Maßnahmen ist der Krankenstand in Deutschland im Monat April 2020 förmlich explodiert. Plötzlich waren mit 2,13 Millionen mehr Arbeitnehmer krankgeschrieben als in den Vergleichsmonaten der letzten zwei Jahrzehnte.

In dieser Zeit erbringen die Betroffenen natürlich keine Arbeitsleistung.

Hingegen kosten sie aber zumindest in den ersten sechs Wochen weiter ihren Lohn. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs dürfen sogar Urlaubsansprüche in dieser Zeit nicht verfallen. Wenn eine Krankheit der Hinderungsgrund war, seinen Urlaub zu nehmen, bleibt dieser aufgespart. Auf den Arbeitgeber können also zusätzlich noch die Kosten des bisher ausgefallenen Urlaubs der Beschäftigten zukommen. Das versetzt Unternehmer natürlich recht schnell in den Modus wirtschaftlicher Abwägung.

Häufen sich demnach Erkrankungen im Betrieb oder dauern sie gar sehr lange an, wird sich also jeder wirtschaftlich handelnde Arbeitgeber mit Alternativen beschäftigen. Zustände wie in Schulen, wo Lehrer im Durchschnitt fast acht Wochen pro Jahr krankheitsbedingt fehlen, kann sich ein Unternehmen der Privatwirtschaft nicht erlauben.

Wer nun glaubt, bei Krankheit könne einem ohnehin nicht viel passieren, der befindet sich im Irrtum.

Eine Krankheit bietet grundsätzlich keinen besonderen Kündigungsschutz. Jeder Arbeitnehmer kann also während einer Erkrankung betriebsbedingt, verhaltensbedingt oder auch personenbedingt gekündigt werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen dafür vorliegen. In Kleinbetrieben, wo das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung findet, ist die ordentliche Kündigung sogar ohne diese Voraussetzungen möglich. Auch eine außerordentliche Kündigung kommt während der Krankschreibung in Betracht, soweit ein entsprechender Kündigungsgrund vorliegt.

Darüber hinaus kann der Arbeitgeber sogar wegen der Erkrankung das Arbeitsverhältnis kündigen. Auch wenn dieser Schritt im Hinblick auf die Genesung der Betroffenen hart erscheint, für die Gesundheit des Betriebes kann das durchaus gerechtfertigt sein.

Grundsätzlich kommt eine ordentliche Kündigung unter Einhaltung der Kündigungsfristen vor allem in den Fällen in Betracht, wo ein Beschäftigter dauerhaft erkrankt, für einen sehr langen Zeitraum krank geschrieben ist oder wo er sich ständig aufs Neue krank meldet. Besteht darüber hinaus eine negative Prognose hinsichtlich des weiteren Krankheitsverlaufs und sind die betrieblichen Interessen durch den damit einhergehenden Arbeitsausfall negativ beeinträchtigt, steht einer Kündigung nichts mehr im Wege.

Was man unter dauerhaft verstehen kann, das ist zwar nicht definiert, doch könnten die sechs Wochen Entgeltfortzahlung hierbei eine Untergrenze darstellen. Einer vorherigen Abmahnung bedarf es im Falle der Kündigung eines kranken Arbeitnehmers übrigens nicht, schließlich kann dieser sein Verhalten meist ohnehin nicht ändern.

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Bildquelle: vjohns1580 – bit.ly/2CjrXxN