Arbeitslosenstatistik ist anfällig für Manipulationen

Arbeitslosenstatistik ist anfällig für Manipulationen

Kürzlich geriet die offizielle Arbeitslosenstatistik mal wieder in den Verdacht der Manipulation. Bei Stichproben des Rechnungshofes war aufgefallen, dass in den Jobcentern einzelner Kommunen 290.000 Akten falsch zugeordnet waren. Damit tauchten rund 115.000 Arbeitslose seit langem nicht in den Statistiken auf. Sicherlich ein besonders krasser Fehler. Doch die Arbeitslosenstatistik ist nicht zum ersten Mal in den Verdacht der Manipulation geraten. So mancher Beobachter spricht seit langem von einem System voller Zahlentricks.

Was also sind die monatlich verkündeten Zahlen wert, welche Aussagekraft besitzen sie wirklich?

Zwar ist in Deutschland per Gesetz festgelegt, wer als arbeitslos gilt. Die alleinige Grundlage für die offizielle Statistik ist diese Definition aber nicht. Auch Verordnungen, Ausführungsbestimmungen und interne Weisungen beeinflussen die Zählweise. Das sorgte schon oft für Unmut, vor 16 Jahren sogar für einen handfesten Skandal. Die damals aufgedeckten Statistik-Tricks der alten Bundesanstalt für Arbeit gipfelten im kompletten Umbau der Strukturen und auch das Monopol auf Arbeitsvermittlung musste damit beerdigt werden. Völlig aus der Schusslinie weiterhin vermuteter Statistik-Tricks ist die Behörde nie geraten. Immer wieder waren seither Ungereimtheiten bei den Zahlen aufgetaucht, was man allerdings auch immer recht schnell mit bedauerlichen Einzelfällen zu erklären versuchte.

Raum für kreative Gestaltung lässt die gesetzliche Definition der Arbeitslosigkeit aber dennoch.

Denn sie ist sehr weit gefasst. Danach sind alle Erwachsenen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung suchen und für einen Job sofort verfügbar sind, im Prinzip arbeitslos. Generell nicht als arbeitslos angesehen werden dagegen Schüler, Studenten und Rentner, auch im erwerbsfähigen Alter.

In der Arbeitslosenstatistik fehlen dann auch noch diejenigen, die durch Instrumente der Arbeitsmarktpolitik gefördert werden. Das betrifft die Fort- und Weiterbildung genauso, wie Teilnehmer an Trainings- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Wer einen Ein-Euro-Job hat oder einen Gründungszuschuss erhält, gilt also offiziell nicht als arbeitslos.

Ebenfalls nicht erfasst werden alle Personen ab einem Alter von 58 Jahren, die zwölf Monate lang keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommen haben oder deren Chance auf Vermittlung einer Arbeitsstelle relativ gering ist. Zusätzlich streicht die Arbeitsagentur alle aus der Statistik, die eine Vermittlung erschweren, weil sie ihre Pflichten bei der Jobsuche nicht erfüllen.

Diese durchs Raster fallenden Gruppen werden natürlich nicht unter den Tisch gekehrt. Sie erscheinen zahlenmäßig unter dem Sammelbegriff der Unterbeschäftigung. Damit bleibt die offiziell verlautbarte Arbeitslosenstatistik von rund 1 Million Menschen zahlenmäßig verschont.

Doch selbst die um Unterbeschäftigte ergänzte Arbeitslosenzahl stellt am Ende noch nicht das echte Ausmaß dar.

In der Statistik tauchen grundsätzlich nur die Personen auf, die sich auch arbeitslos melden. Das Forschungsinstitut der Arbeitsagentur (IAB) schätzt, dass fast 250.000 Arbeitslose somit nicht erfasst werden. Diese Gruppe wird als sogenannte stille Reserve bezeichnet, warum auch immer. Insgesamt summiert sich damit die reale Zahl der Arbeitslosen in Deutschland doch noch auf annähernd 4 Millionen Menschen. Nicht unbedingt ein Spitzenwert.

Dennoch, die Zahlen lassen sich bei genauem Hinsehen durchaus finden. Nur eben nicht als Gesamtdarstellung tatsächlicher Arbeitslosigkeit. Dabei ist gerade dieser Wert mit Blick auf die Fachkräftesituation in verschiedenen Berufsgruppen durchaus interessant. Mit vernünftigen und auch wirksamen Steuerungselementen des Marktes, ließe sich so manches Personalproblem auch für die Zukunft lösen.

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Bildquelle: succo – pixabay.com/de/arbeitsagentur-arbeitsamt-771154/