Auswege aus dem Pflegenotstand

Auswege aus dem Pflegenotstand

Seit Jahren grassiert der Pflegenotstand in Deutschland.

Die Probleme werden diskutiert, dabei aber nicht ansatzweise gelöst. Der stetig wachsende Bedarf bereitet inzwischen ernsthaft Sorge. Immer wieder wird der akute Personal- und Nachwuchsmangel als das Grundübel für den Pflegenotstand herausgestellt. Gelöst ist das Ressourcen-Problem bis heute nicht. Anstatt Gründungsoffensiven im Bereich der Pflege proaktiv zu fördern und deren Entwicklung großzügig zu pushen, versandet die Thematik seit Jahren im politischen Kleinklein.

Dabei gibt es durchaus innovative Ansätze, um dem Pflegenotstand nachhaltig zu Leibe zu rücken.

So wurde schon vor ein paar Jahren herausgearbeitet, dass der große Personalmangel in großen Teilen auch hausgemacht ist. Viele ausgebildete Pflegekräfte lieben zwar ihren Beruf, haben aber irgendwann die Nase gestrichen voll, ihn auf Dauer auszuüben. Andere kommen aus organisatorischen Gründen nicht mit den rigiden Arbeitszeiten zurecht. Familien und Freizeit wollen auch ausreichend Zeit und Beachtung.

Diesem Missverhältnis und der offenkundigen Verschleuderung vorhandener Reserven ist nur beizukommen, indem die Bedingungen radikal geändert werden. Das beginnt mit einer gerechten Bezahlung und mit einer generellen Bereinigung undurchsichtiger Geldflüsse. Es kann nicht sein, dass trotz solidarischer Pflegeversicherung die Last für die Angehörigen wächst. Gleichzeitig verharren die Pflegekräfte selbst aber auf ihren Minimal-Gehältern.

Daneben braucht die tägliche Pflege Verlässlichkeit, für alle Seiten.

Dem Pflegenotstand im häuslichen Bereich so zu begegnen, haben sich einige junge Unternehmen auf die Fahnen geschrieben. Sie animieren ehemalige Pflegekräfte zur Selbständigkeit und übernehmen dabei alle administrativen Aufgaben. Das ganze System von Auftrag, Leistung und Abrechnung wird konsequent vernetzt. Die Patientenzahl für die einzelne Kraft bleibt mit maximal 4 Klienten übersichtlich. Pflegebedürftige und die Angehörigen haben nur einen, dafür aber verlässlichen Partner.

Gleichzeitig haben die Pflegekräfte eine volle Sicherung ihres Verdienstes nach dem Pflegesatz. Der sonst übliche Kostenapparat, der einen Großteil des Pflegesatzes für sich beansprucht, bleibt außen vor. Freiberuflichkeit in der Pflege, sicher ein zukunftsfähiger Weg für die häusliche Situation.

Für den Pflegenotstand in den stationären Einrichtungen ist die Zeitarbeit zumindest als temporärer Problemlöser auf dem Vormarsch. Die vielfach so gescholtenen Personaldienstleister bieten den Fachkräften genau die Arbeitssituation, die von ihnen präferiert wird: Verbindliche Dienstpläne, auskömmliche Gehälter und planbare Freizeit.

Inzwischen wechseln sogar angestellte Pflegekräfte aus Kliniken und anderen Einrichtungen vermehrt zu Dienstleistern.

Zwar bedeutet ein Wechsel oft den Verlust der betrieblichen Altersvorsorge durch den Träger, dafür können sie aber bessere Verdienste, feste Einsatzpläne mit zugesagten Wunscharbeitstagen und -zeiten sowie zum Teil auch einen Dienstwagen aushandeln. Besonders markant ist der Trend derzeit an Universitätskliniken zu beobachten.

Gewerkschafter und Krankenhausträger versuchen natürlich das Ganze als Randphänomen herunterzuspielen. Das hilft bei der Bewältigung der Probleme nun wirklich nicht. Geht man allerdings ideologiefrei mit dem Thema um, könnte der Beruf in der Pflege auch für Azubis in Zukunft wieder interessant werden.

Noch vor kurzem wollte die Berliner Gesundheitssenatorin die Zeitarbeit in der Pflege gesetzlich verbieten lassen. Die Corona-Krise hat das Vorhaben erst einmal hinweggefegt. Momentan ist man aller Orten froh und dankbar über jede helfende Hand. Genauso erleichtert ist man auch über jedes Krankenhausbett, das dem Sparwahn der vergangenen Jahre nicht zum Opfer gefallen ist. Das alles sollte man nicht vergessen, wenn der politische Alltag abseits vom Krisen-Modus wieder Einzug hält.

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Bildquelle:geralt -bit.ly/2RVgf0x