Bezahlung im Job reicht oft nicht aus

Bezahlung im Job reicht oft nicht aus

Die Arbeitslosenzahlen haben wieder historische Tiefs erreicht. Die Wirtschaft Deutschlands boomt. Der Fachkräftemangel zieht immer größere Kreise und so mancher Betrieb ächzt unter der Last des mangelnden Personals. Dabei sind das erst die Vorboten. Wirtschaftsexperten erwarten in den nächsten Jahren das Fehlen von deutlich mehr Fachkräften. Viele Betriebe scheinen, nichtsdestotrotz, wesentliche Voraussetzungen zur Fachkräftesicherung inzwischen auch verlernt zu haben. Sonst gäbe es nicht so viele unversorgte Jugendliche, die zu Beginn eines jeden neuen Ausbildungsjahres ohne Lehrvertrag dastehen. Dieses Problem ist vor allem in den Ballungszentren zu beobachten. Doch auch die Bezahlung der Arbeit bereitet Probleme.

Vor allem ausgebildete Fachkräfte kennen ihren Wert und wollen diesen natürlich heute auch selbstbewusst am Arbeitsmarkt erzielen.

Das ist in einigen Branchen aber ein oft schwieriges Unterfangen. Viele der Betriebe zahlen Löhne und Gehälter, die weit unter marktüblichen Bedingungen liegen. Maßstab der Üblichkeit sind vielfach Tarifverträge, doch die sucht man zunehmend vergeblich. Nach einer Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), arbeiteten zuletzt nur noch rund 49 Prozent der westdeutschen und 34 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben. Beschäftigungsboom und Bezahlung bewegen sich demnach nicht im Gleichklang.

Das wird auch anhand einer weiteren Entwicklung am Arbeitsmarkt deutlich: Die Zahl der Menschen, die einen Nebenjob ausführen, steigt rasant an. Derzeit üben knapp 2,7 Millionen Menschen zusätzlich einen Job im Bereich der geringfügigen Beschäftigung aus. Mehr als die Hälfte der angestellten Nebenjobber macht den Minijob zusätzlich zur Vollzeitbeschäftigung. Die meisten Nebenjobs gibt es dabei im Einzelhandel und im Gastgewerbe, in anderen wirtschaftlichen Dienstleistungen und im Gesundheits- und Sozialwesen. Grund für die Doppelbelastung ist überwiegend die nicht ausreichende Bezahlung im Hauptjob.

Sichere Arbeitsplätze und eine existenzsichernde Entlohnung sind aber heute Maßstäbe, an denen sich Fachkräfte orientieren. Der Mindestlohn ist dabei kein Standard. Betriebe, die weiterhin Niedriglöhne unterhalb branchenüblicher Tarifverträge zahlen, werden wohl zukünftig die Verlierer im Wettbewerb um die Fachkräfte sein. Die gesetzlichen Eingriffe, die seitens der Politik hier in den letzten Jahren versucht worden sind, waren alle untauglich. Die Problematik der Bezahlung tritt immer deutlicher zu Tage. Soweit es kein generelles Umdenken zum Umgang mit dem Wohlstandsniveau zukünftiger Generationen gibt, wird sich die gegenwärtige Entwicklung noch weiter verschärfen.

In diesem Zusammenhang fällt ohnehin eine Besonderheit des deutschen Arbeitsmarktes auf: In kaum einer Stellenanzeige werden die finanziellen Konditionen klar benannt. Was in anderen Ländern längst zum Standard gehört, das wird in Deutschland meist konsequent verschwiegen. Über Geld spricht man nicht!

Welch fataler Irrweg. Gerade mit der transparenten Gestaltung der Konditionen kann ein Arbeitgeber heute punkten. Nichts wünschen sich Kandidatinnen und Kandidaten einer vakanten Stelle mehr als Ehrlichkeit und Offenheit von Beginn an. Damit ließe sich rechnen und planen. Jeder hätte vor Beginn einer Bewerbung schon Gewissheit. Als Nebeneffekt käme es relativ schnell auch zur allgemeinen Niveauanhebung der Bezahlung im Job. Wer will bei drängenden Aufträgen zukünftig schon das Nachsehen haben, allein weil die dafür nötigen Arbeitskräfte fehlen.

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Bildquelle: GregMontani – pixabay.com/de/m%C3%BCnze-cent-geld-zahlungmittel-2357072/