Datenmissbrauch auf Jobbörse der Arbeitsagentur

Datenmissbrauch auf Jobbörse der Arbeitsagentur

Die Wogen schlagen hoch und das Ganze hat wohl nun auch ein juristisches Nachspiel: Die Arbeitsagentur hat das offenkundige Datenleck auf ihrer Jobbörse entschärft. Zukünftig muss bei der Suche nach Arbeitsangeboten extra ausgewählt werden, ob auch die Anzeigen privater Arbeitsvermittler gewollt sind. Letztere fühlen sich durch diese Änderung auf der Jobbörse benachteiligt und fürchten um ihr Geschäft. Mit juristischen Mitteln wollen sie nun versuchen, den bisherigen Zustand wieder herzustellen. Doch daran hatte sich im vergangenen Jahr sehr deutlich Kritik entfacht.

Eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke vom 31.05.2018 (Bundestags-Drucksache 19/2417 als Antwort auf Bundestags-Drucksache 19/2156) hatte zu Tage befördert, dass die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit seit Jahren auch ein Tummelplatz für Betrüger war. Dabei wurde es den Anbietern fingierter Stellenangebote bisher sehr leicht gemacht. Sie veröffentlichten unter dem Deckmantel privater Arbeitsvermittlung massenhaft Stellenanzeigen und kassierten hiernach die Daten der Bewerber ein. Private Arbeitsvermittler suchen eigentlich im Auftrag von Firmen nach Bewerbern und erhalten dafür eine Provision. Immerhin decken diese Angebote etwa ein Viertel aller Stellenanzeigen der Jobbörse ab.

Die Problematik war lange bekannt. Bereits in der Anfrage der Abgeordneten wurde ausgeführt, dass die Bundesagentur für Arbeit schon in der Vergangenheit diesbezüglich ins Visier des Datenschutzbeauftragten der Bundesregierung geraten ist. Dieser hatte bereits im Jahre 2011 offenkundige Mängel bei der Datensicherheit der Benutzer der Jobbörse gerügt. Schon damals war aufgefallen, dass fingierte Jobangebote lediglich zur Erlangung sensibler Bewerber-Daten eingestellt worden sind.

Obwohl die Schwachstellen der von der Arbeitsagentur betriebenen Jobbörse seit Jahren bekannt waren, wurde ein Handlungsbedarf immer wieder verneint.

Die von Unternehmen selbständig eingepflegten Angebote werden nach Angaben der Arbeitsagentur zwar permanent nach Auffälligkeiten durchsucht. Ob die Stellenangebote aber tatsächlich existieren oder lediglich als Fangnetz für Bewerberdaten fungieren, dies entzieht sich bis heute einer eingehenden Prüfung. Dabei gab auch die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die kleine Anfrage zu erkennen, dass bei der Fülle von Stellenanzeigen ein Missbrauch nicht gänzlich auszuschließen sei.

Diese oberflächliche Betrachtung war in mehrfacher Hinsicht fatal: Sind doch vor allem Arbeitslose gehalten, permanent ihre Bemühungen zur Jobsuche nachzuweisen. Verwiesen werden sie dazu vor allem auf die Jobbörse der Arbeitsagentur. Hierzu befinden sich in vielen Zweigstellen kostenlose Computer-Plätze, die auch einzig die Nutzung der hauseigenen Jobbörse erlauben. Wie viele Fälle von Datendiebstahl es hier in den letzten Jahren wirklich gab, bleibt im Dunkel. Eine Erhebung dazu fand bis heute nicht statt, obwohl sich Beschwerden häuften.

Nun ist die Jobbörse doch überarbeitet worden. Die latente Gefahr des Datenmissbrauchs konnte wohl doch nicht weiter ignoriert werden. Ob das zusätzliche Häkchen bei der Auswahl nun aber den Missbrauch verhindert, das darf bezweifelt werden. Warum die privaten Arbeitsvermittler gar um ihr Geschäft fürchten, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Sie können schließlich die Jobbörse weiter uneingeschränkt für ihre Angebote nutzen. Vielmehr wird der Gleichbehandlung aller verfügbaren Stellenangebote auf der Jobbörse nun deutlich besser Rechnung getragen.

Das Problem der missbräuchlichen Erhebung und Nutzung von Daten ist im Übrigen ein Dauerproblem unserer Zeit.

Nicht von ungefähr wurde mit viel Aufwand die europäische Richtlinie zum Datenschutz in Form der DSGVO flächendeckend umgesetzt. Auf der anderen Seite gab und gibt man sich seitens der Bundesregierung immer auffallend kämpferisch, wenn Datenschutz-Standards durch Global Player wie beispielsweise Facebook nicht immer ganz ernst genommen werden.

Nach offiziellen Angaben soll es jährlich etwa zwölf Millionen Missbrauchsfälle auf diesem Gebiet geben. In Anbetracht dieser Zahlen und der Bekanntheit des Problems bei der Arbeitsagentur, sollte der Handlungsbedarf zum Schutz persönlicher Daten der Nutzer weiter akut bleiben. Bekanntlich ist der Anbieter in der Pflicht, für Sicherheit zu sorgen.

Passend zur Problematik hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem jüngeren Datenschutz-Urteil zum wiederholten Male angemahnt, dass der Begriff des “Verantwortlichen” bei Angeboten im Internet grundsätzlich weit auszulegen sei (EuGH, AZ: C-210/16).

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Bildquelle:Tumisu – pixabay.com/de/phishing-betrug-internet-sicherheit-3390518/