Die Post ignoriert die Zeichen der Zeit

Die Post ignoriert die Zeichen der Zeit

Die technische Entwicklung bestimmt den Rhythmus unserer Zeit. In vielen offiziellen Reden und in Strategiepapieren ist das Thema allgegenwärtig. Dass dabei auch erhebliche Veränderungen für die Arbeitswelt entstehen, das scheint allen klar. Zumindest theoretisch. Wenn es dann aber wirklich ernst wird mit dem Fortschritt, dann überwiegen aber oft Ideenarmut und Ahnungslosigkeit.

Ein probates Beispiel hierfür bietet mal wieder die Post.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung und der damit verstärkten Nutzung von E-Mails, WhatsApp und anderen Diensten, ist das klassische Briefvolumen stark rückläufig. Wurden im Jahre 2006 noch durchschnittlich 70 Millionen Briefe pro Werktag zugestellt, so waren es zwölf Jahre später nur noch 59 Millionen Briefe am Tag.

Den Verlust der Kundschaft aber kompensiert die Post nicht etwa mit besserem Service. Verspäteter Briefeinwurf, tagelang ausfallende Zustellung und verschwundene Postsendungen, das sind die Probleme vieler Kunden. Allein innerhalb der vergangenen drei Jahre hat sich nach Angaben der Bundesnetzagentur die Zahl der Beschwerden allein im Briefversand mehr als verdreifacht. Gewinnmaximierung scheint das Maß aller Dinge auch bei der Post geworden zu sein: Allein im Jahr 2017 schlugen mehr als 3,5 Milliarden Euro Plus zu Buche, bis 2020 soll der Gewinn auf über fünf Milliarden Euro klettern.

Vor dem Hintergrund dieser Fakten erscheinen die Pläne zur neuerlichen Erhöhung des Briefportos schon arg vermessen. Seit Herbst vergangenen Jahres versuchte die Post eine deutliche Anhebung des Entgelts bei der Bundesnetzagentur durchzubringen. Zur Rechtfertigung macht die Post offiziell steigende Personalkosten bei gleichzeitig sinkenden Briefmengen geltend. Ein höheres Porto sei nach dortiger Ansicht also nur die logische Konsequenz.

Statt bisher 70 Cent pro einfachem Brief, sollen es ab Juli nunmehr 80 Cent sein.

Doch damit nicht genug: Der Kompaktbrief wird ebenfalls um 10 Cent teurer, die Postkarte kostet zukünftig 60 Cent Porto und Sendungen ins Ausland werden auch mit Preisaufschlägen belegt.

Dabei haben bisherige Preiserhöhungen vor allem zu jeweiligen Umsatzsteigerungen im dreistelligen Millionenbereich beigetragen. Sonderliche Wohltaten für die Beschäftigten wurden hingegen in den letzten Jahren nicht bekannt. Die Post ignoriert die Zeichen der Zeit. Wirkliche Innovationen im Briefverkehr scheinen nicht in Sichtweite.

Erstmals stellte sich auch die Bundesnetzagentur quer und zögerte ihre Entscheidung über den Jahreswechsel hinaus.

Vor allem war man dort skeptisch, ob die Post den Markt der Zukunft noch wirklich im Blick hat und sich nicht durch ständige Erhöhungen lediglich ein positives Betriebsergebnis sichert. Nach einer ernsten Hängepartie schaltete sich schlussendlich das Wirtschaftsministerium ein. Schließlich ist der Bund größter Anteilseigner der Post. Die Privatisierung von einst nimmt man in Anbetracht sprudelnder Geldquellen dann nicht mehr so genau. Doch die Konkurrenz ist wachsam, gelten doch für sie allein die Funktionsmechanismen des Marktes. Deshalb haben sie interveniert und der Preiserhöhung den Stempel der Vorläufigkeit aufgedrückt. 

Ohnehin dürften die Zeiten, in denen solche Erhöhungen regelmäßig durchgewinkt wurden, nun endgültig vorbei sein. Das ist bereits mit dem Aufbäumen der Regulierungsbehörde deutlich geworden. Die Post täte also gut daran, noch konsequenter zukunftsorientiert zu agieren und nicht noch weitere Kunden mit schlechtem Service zu vergraulen. Die Regeln des freien Marktes wirken sich immer deutlicher auch auf den ehemaligen Staatskonzern aus. Profane Gewinnmaximierung zu Lasten des Personals hat auf Dauer noch keinem Unternehmen genutzt. Neben innovativen Ideen gehört auch die Mitarbeiterpflege zu den Erfordernissen der Zukunft.

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Ralph Kaste

Bildquelle: geralt – bit.ly/2sxEw27