Erntehelfer – neue Regeln und Mindestlohn

Erntehelfer - neue Regeln und Mindestlohn

Erntehelfer – neue Regeln und Mindestlohn

Als der gesetzliche Mindestlohn im Jahre 2015 in Deutschland Einzug hielt, waren noch eine ganze Reihe von Ausnahmen geregelt.

Solche galten auch für die Saisonarbeiter in der Landwirtschaft. Dort war es eine bestehende tarifvertragliche Entgeltregelung, die den Mindestverdienst für die Erntehelfer gesondert bestimmte. Diese Ausnahmeregelung aber war begrenzt bis Ende 2017. Seither müssen auch alle Erntehelfer auf den Feldern und anderswo zwingend den jeweils geltenden Mindestlohn pro Stunde bezahlt bekommen. Aktuell sind das 9,50 Euro pro Stunde, ab 01. Juli dann 9,60 Euro pro Stunde.

Die helfenden Hände auf den Feldern sind schon immer unverzichtbar, wenn Spargel gestochen, Erdbeeren gepflückt und auch die übrige Ernte schnell und trocken eingebracht werden soll. Deutsche Saisonkräfte waren dabei in den letzten Jahren sehr rar gesät am Markt der Freiwilligen. Die überwiegende Mehrzahl der Erntehelfer kam seit langem schon aus dem Ausland. Noch im vergangenen Jahr arbeiteten etwa 300.000 Menschen als Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft. Rund 95 Prozent von ihnen waren ausländische Arbeitskräfte, überwiegend aus Rumänien.

Das sieht im laufenden Jahr aber komplett anders aus.

Die Einreise aus Rumänien und auch aus anderen osteuropäischen Staaten ist schwierig worden. Die Corona-Krise macht auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Die Bauern haben schon lange auf die missliche Lage aufmerksam gemacht. Allein politische Entscheidungen, die Verlässlichkeit in sich tragen, lassen weiter auf sich warten.

Die Ernte wartet natürlich nicht. Alles was nicht rechtzeitig eingebracht wird, das bleibt unwiederbringlich verloren. Die Effekte wären gravierend, für die Versorgung, den Handel und natürlich auch und vor allem für die Landwirtschaft.

Die Zeit drängt. Beste Gelegenheit also, statt des häuslichen Abwartens auf infektionslose Zeiten, sich auf dem Acker zu verdingen. Der gesetzlich garantierte Mindestlohn ist dafür durchaus Anreiz. Die Hinzuverdienstgrenzen sind merklich gelockert worden.

So haben beispielsweise Kurzarbeiter die Möglichkeit, in der vorhandenen Freizeit, bis zur Erreichung der bisherigen monatlichen Verdienstgrenze, einen Nebenjob auszuführen. Für Rentner im vorgezogenen Ruhestand ist die erhöhte Hinzuverdienstgrenze aus dem Jahr 2020 in diesem Jahr noch einmal erhöht worden, auf nunmehr 46.060 Euro.

Für die Saisonarbeit insgesamt gibt es zusätzlich eine angepasste Regelung. Wegen der Corona-Krise wurde der zulässige Zeitraum für derartige Tätigkeiten von drei auf fünf Monate, beziehungsweise 102 Arbeitstage, ausgeweitet. Die Regelung gilt in der Zeit vom 1. März bis zum 31. Oktober 2021. Das ist natürlich auch für Schüler und Studenten interessant.

Im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung oder aber als kurzfristige Beschäftigung, bleibt das Entgelt von den Beiträgen zur Sozialversicherung befreit. Das monetäre Ergebnis der Ernte kann sich damit richtig lohnen. Vor allem, wenn in den nun zulässigen 5 Monaten einer kurzfristigen Beschäftigung mindestens 9,50 bzw. 9,60 Euro pro Stunde bezahlt werden.

Fairness auf beiden Seiten erleichtert die Arbeit

Der Landwirt muss sich auf die Kräfte verlassen können, die sich bei ihm zur Ernte melden. Dazu gehören ohne Zweifel Pünktlichkeit und Leistungsbereitschaft. Das Abhängen auf dem Acker gegen Geld wird dem sicher nicht gerecht.

Auf der anderen Seite muss auch der Landwirt vernünftige Voraussetzungen bieten. Nicht alles, was den Polen und Rumänen in den letzten Jahren da teilweise zugemutet worden ist, lässt sich ein hiesiger Helfer bieten.

Auch war es üblich geworden, dass die Aufwendungen für Kost und Logis mit dem geschuldeten Entgelt für die Erntehelfer gleich verrechnet werden. Oft wurde auch die Mindestlohngrenze erst erreicht, wenn man diese Kosten auf den Verdienst angerechnet hatte. Die Zoll-Praxis gestattet derlei Verrechnung, obwohl das rechtlich noch umstritten und auch noch nicht höchstrichterlich entschieden ist. Derlei Praxis ist momentan aber sicher weniger hilfreich.

Um überhaupt Kosten für Unterkunft und Verpflegung in Ansatz bringen zu können, müssten diese ohnehin anerkannten Qualitätskriterien entsprechen. Das war in der Vergangenheit nicht immer und überall der Fall.

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Fairness in der Saisonarbeit könnte ein gutes Beispiel sein. Für die Ernte, die Versorgung und für alle Beteiligten wäre es insgesamt eine Erfolgsgeschichte. Dass sich die Arbeit auf dem Feld nun auch für Deutsche lohnen sollte, muss sich aber noch schleunigst herumsprechen.

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Bildquelle: Gellinger – https://bit.ly/3axdlJe