Fachkräftesicherung mit geförderter Weiterbildung

Fachkräftesicherung mit geförderter Weiterbildung

Beim Thema Fachkräftesicherung offenbart sich seit Jahren ein Grundproblem unserer Wirtschaft:

Der jeweilige Bedarf an qualifizierten Fachkräften soll am Markt ausreichend zur Verfügung stehen. Zum Aufbau der Ressourcen tragen aber immer weniger Unternehmen bei. Gerade im Handwerk nimmt die Problematik stetig größere Ausmaße an. Immer weniger Betriebe bilden aus und fördern auch die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Hingegen sind die Rufe nach gut qualifiziertem Personal aus dem Ausland dort am stärksten.

Dabei ist aktive Personalbindung durch intensive Pflege der Ressourcen nicht erst seit gestern eine Binsenweisheit, um langfristig am Markt erfolgreich zu sein. Mit einem großzügigen Förder- und Unterstützungsprogramm lässt sich die Fachkräftesicherung langfristig bewerkstelligen.

So mancher Arbeitgeber hat das auch längst begriffen und bietet neben attraktiver Ausbildung des Nachwuchses auch finanzielle Unterstützung für die berufliche Qualifizierung an. Häufig koppelt er diese vertraglich an weitere Jahre des Verbleibs im Betrieb, um auch tatsächlich an den Vorteilen der Qualifizierung teilhaben zu können. Als Gegenleistung winkt oft der Wegfall jeglicher Rückzahlungsverpflichtung.

Doch das hat sich leider noch längst nicht überall herumgesprochen.

Nach einer im Jahr 2018 veröffentlichten Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), tragen die Teilnehmer von Weiterbildungsmaßnahmen mit fast 18 Milliarden Euro jährlich selbst zur Finanzierung ihrer beruflichen Qualifizierung bei. Arbeitgeber drücken sich überwiegend vor finanzieller Beteiligung an dieser Form der Fachkräftesicherung.

In Anbetracht der Engpass-Problematik sind solche Zahlen natürlich ein Offenbarungseid. Jeder der sich hier auf eigene Kosten bemühen muss, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, dessen Bindung zum aktuellen Arbeitgeber dürfte nicht allzu intensiv ausgeprägt sein. So entsteht klassisch ein potenzieller Wechselkandidat und das Mangel-Problem wächst.

Um berufliche Weiterbildung zukünftig noch attraktiver zu machen, trat am 01. Januar 2019 das Qualifizierungschancengesetz in Kraft. Es ermöglich zukünftig jedem eine Weiterbildung, unabhängig von Qualifikation, Lebensalter und Betriebsgröße. Hierzu werden nicht nur Weiterbildungskosten anteilig oder auch komplett übernommen, sondern es werden auch deutlich mehr Zuschüsse zum Arbeitsentgelt während einer Weiterbildung gewährt. Die Finanzierung hierfür stellt die Bundesagentur für Arbeit bereit.

Bei kleinen Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten werden 100 Prozent der Weiterbildungskosten und 75 Prozent des Arbeitsentgelts übernommen, bei mittleren Unternehmen mit mehr als 10 und bis zu 250 Beschäftigten werden Weiterbildungskosten und Arbeitsentgelt jeweils zu 50 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Bei großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigen sind es immerhin noch 25 Prozent der Weiterbildungskosten und des Arbeitsentgelts.

Die Agentur für Arbeit muss jede dieser in Betracht kommenden Weiterbildungen vorab genehmigen. Mit Ausgabe eines Bildungsgutscheins kann die Maßnahme dann bei einem zertifizierten Bildungsträger in Angriff genommen werden. Weitere Einzelheiten dazu regelt der neu gefasste §82 SGB III.

Dennoch bleiben Weiterbildungen eine Ermessensleistung des Arbeitgebers. Einen Rechtsanspruch der Beschäftigten gibt es nicht. Im Sinne auskömmlicher Fachkräftesicherung und in Anbetracht der Förderung könnte aber so mancher Arbeitgeber sich vertraglich zur Unterstützung bekennen. Auch das schafft Sicherheit und Vertrauen.

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Bildquelle: skeeze – bit.ly/2Bu5JHM