Verdi gegen Amazon – Streik wegen 1Cent?

Verdi gegen Amazon – Streik wegen 1Cent?

Es ist inzwischen zum festen Ritual geworden, dass Verdi zu Streiks beim Online-Riesen Amazon aufruft.

Das, was nun vor wenigen Tagen in Leipzig wieder genau so erfolgte, passiert seit nunmehr fünf Jahren regelmäßig und es endet genauso verlässlich ohne Ergebnis. Verdi kommt nicht voran, hat aber auch nicht wirklich alternative Pläne. Ein Tarifvertrag soll unbedingt her, doch Amazon stellt sich quer.

Verdi fordert in erster Linie einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels für die Beschäftigten beim Online-Riesen.

Doch Amazon sieht sich traditionell als Logistiker und vergütet seine Angestellten entsprechend in Anlehnung an die in dieser Branche geltenden Tarifbedingungen. Dabei betont das Unternehmen seit Jahren, dass die Mitarbeiter schon von Beginn ihrer Tätigkeit an Löhne am oberen Ende des Branchenüblichen erhalten, die mit den Jahren der Betriebszugehörigkeit auch kontinuierlich steigen würden. Hinzu kommen Extras wie Bonuszahlungen, Weihnachtsgeld, Mitarbeiter-Aktien, Gratis-Versicherungen, ein Pensions-Fonds und Mitarbeiterrabatte. Insofern sieht sich Amazon als fairen Arbeitgeber. Deshalb will der Onlinehändler die Gewerkschaft aus dem Betrieb heraushalten.

Amazon zahlt Lagerarbeitern, die zwei Jahre im Betrieb sind, einen Grundlohn von 12,22 Euro pro Stunde.

Dieses Entgelt liegt nur einen Cent unter dem von Verdi geforderten Tariflohn. Lohnt es sich wirklich, für diesen 1Cent mehr im Monat zu streiken? Die Beantwortung dieser Frage ist nach nunmehr fünf Jahren wohl längst ideologisch geprägt, von beiden Seiten.

Amazon ist als Global-Player im Übrigen so aufgestellt, dass bei streikbedingten Engpässen sofort und ohne nennenswerte Verzögerungen aus Logistik-Zentren im benachbarten Ausland geliefert werden kann. Das gesamte europäische Netzwerk verfügt nach Amazon-Angaben über Logistik-Zentren in sieben Ländern.

Auch in Deutschland betreibt Amazon diverse Logistik-Zentren, die Teil dieses europäischen Netzwerks sind.

Bei Auftragsspitzen oder eben bei Streiks, helfen sich die deutschen Standorte ebenfalls gegenseitig aus. Neben den gut 11 000 Beschäftigten sind regelmäßig auch mehrere tausend Saisonarbeitskräfte im Einsatz.

Damit sieht sich das Unternehmen bestens gewappnet, um den Störfeuern der Gewerkschaft Paroli bieten zu können.

Um auch zukünftig vor allem dem hohen Anspruch seiner Kunden gerecht werden zu können, arbeitet Amazon seit langem an der Optimierung verlässlich kurzer Lieferzeiten. Neben dem Netzwerk der Niederlassungen und ihrem Austausch, werden verstärkt vollautomatisierte Bearbeitungs- und Bereitstellungsprozesse erprobt. Das schafft auf lange Sicht ein hohes Maß an Flexibilität und macht unabhängig von jedweden personellen Engpässen. Für Verdi könnte dies auch zukünftig weitere teure Arbeitskämpfe ohne Ergebnis bedeuten.

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Bildquelle: geralt – pixabay.com/de/shop-amazon-handy-smartphone-1908580/