Mindestlohn steigt und macht den Mini-Job flexibel

Mindestlohn steigt und macht den Mini-Job flexibel

Ab 01. Oktober 2022 beträgt der Mindestlohn 12 Euro pro Stunde. Was vor allem die Beschäftigten freut, für die der Mindestlohn eine echte Lohnerhöhung ist, das bringt Arbeitgeber gehörig ins Schwitzen. Nicht nur, weil damit enorme finanzielle Aufwendungen verbunden sind, auch organisatorisch gilt es Haftungsfallen zu vermeiden. Egal, in welcher Höhe sich die Entgelte in einem Unternehmen bewegen, die gesetzlich vorgeschriebenen Aufzeichnungs- oder Nachweispflichten treffen jeden. Steht der Zoll erst vor der Tür, dann könnte es ungemütlich werden. 

Das ist vor allem insofern von Relevanz, dass viele Unternehmen pauschale Festgehälter mit ihren Mitarbeitern vereinbaren. Dabei macht sich nicht jeder die Mühe, regelmäßig den Festbetrag durch die gearbeiteten Stunden im Monat zu teilen. Das aber erst gibt Aufschluss darüber, ob regulär der jeweils vorgeschriebene Mindestlohn auch wirklich eingehalten wird. Dabei stellt der Mindestlohn die unterste Verdienstgrenze aller Beschäftigten in Deutschland dar, soweit kein Tarifvertrag andere (höhere) Verdienstgrenzen bestimmt.

Höherer Mindestlohn senkt die Arbeitszeit im Mini-Job

Auch geringfügig entlohnte oder kurzfristig Beschäftigte, sogenannte Mini-Jobber, haben natürlich Anspruch auf diesen Mindestlohn. Der Arbeitgeber muss zwar das Mindestentgelt pro Stunde zahlen, zugleich darf hier aber die Entgeltgrenze im Monat nicht aus den Augen verloren werden. Demnach muss für Mini-Jobber grundsätzlich das ausbezahlte Entgelt durch die Zahl der gearbeiteten Stunden geteilt werden. Dabei sollte sich auch hier mindestens ein Entgelt in Höhe des Mindestlohnes ergeben. 

Bisher brauchten die Mini-Jobber nach Anhebung des Mindestlohnes für ihr Geld immer weniger zu arbeiten. Da die Höchstverdienstgrenze mit 450 Euro unverändert gedeckelt war, mussten sie für ihre 450 Euro noch im Januar 2015 rund 53 Stunden tätig sein (450 Euro ÷ 8,50 Euro/Stunde = 52,94 Stunden), im Januar 2022 nur noch maximal 45,82 Stunden (450 Euro ÷ 9,82 Euro/Stunde = 45,82 Stunden) und zuletzt lediglich 43 Stunden (450 Euro ÷ 10,45 Euro/Stunde). Seit der Einführung des Mindestlohnes im Januar 2015 sind es damit inzwischen schon 10 Stunden, die den 450 Euro-Jobbern an Arbeitszeit erspart geblieben sind. Die Erhöhung des Mindestlohnes schlug sich bisher also zunehmend deutlich in verkürzter Arbeitszeit nieder.

Arbeitgeber mussten bei der Kalkulation zunehmend mit mehr Personal planen. Mit der nunmehr gesetzlich verordneten Erhöhung auf 12 Euro pro Stunde wäre jeder Mini-Jobber dann nur noch maximal 37,5 Stunden im Monat einsetzbar. Summa summarum hätte der Mindestlohn dieser Klientel dann schon eine Zeitersparnis von 15,44 Stunden seit dem Jahr 2015 eingebracht.

Mini-Job-Grenze wird dynamisch angepasst

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, steigt zum 01. Oktober 2022 auch die Verdienstobergrenze für Mini-Jobs von 450 Euro auf 520 Euro. Doch damit wäre der Effekt nicht endgültig aus der Welt geschafft. Deshalb gilt ab sofort auch eine neue, nunmehr dynamische Verdienstgrenze für Mini-Jobs. Dazu werden eine Wochenarbeitszeit von 10 Stunden und ein Verdienst zum jeweils aktuell gültigen Mindestlohn zugrunde gelegt. Die Berechnung erfolgt hiernach, indem der jeweils geltende Mindestlohn mit 130 multipliziert, durch drei geteilt und auf volle Euro aufgerundet wird (§ 8 SGB IV). Ab 01. Oktober 2022 ergibt sich daraus eine Verdienstobergrenze für Mini-Jobbber in Höhe von 520 Euro pro Monat (12 Euro/h x 130 ÷ 3). Damit wird diese Verdienstgrenze flexibel.

Gleichzeitig werden die Grenzen eines gelegentlichen und geduldeten Überschreitens dieser Verdienstgrenze auch gesetzlich geregelt: Gelegentlich ist dann ein unvorhersehbares Überschreiten bis zu zwei Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres. Dabei darf die Überschreitung maximal 520 Euro je überschrittenem Monat betragen, so dass ein maximaler Verdienst im Ausnahmefall von höchstens 7.280 Euro im Jahr möglich ist.

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Bildquelle: kschneider2991 – bit.ly/2C6mB8v