Wichtige Ressource: Pflegekräfte außer Dienst

Wichtige Ressource: Pflegekräfte außer Dienst

Wichtige Ressource: Pflegekräfte außer Dienst

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit waren 2020 im Jahresdurchschnitt 35.400 Altenpflegekräfte in Deutschland arbeitslos gemeldet. Das waren 4.900 bzw. 16 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Damit wurde nach jahrelangem Rückgang wieder das Niveau von 2015 erreicht. In der Krankenpflege ist ein nahezu identischer Trend erkennbar: Dort waren im Jahresdurchschnitt 2020 12.400 Pflegekräfte arbeitslos gemeldet. Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch hier ist eine Trendumkehr zu verzeichnen. Während bis 2019 ein kontinuierlicher Abbau der Arbeitslosigkeit erkennbar war, ist nun bereits wieder ein Anstieg auf das Niveau von 2015 erreicht. Insgesamt waren damit rund 1,7 Mio. Pflegekräfte beschäftigt, davon 1,1 Mio. In der Krankenpflege und 615.000 in der Altenpflege. 

Auch im Folgejahr 2021 war eine Umkehr dieser Entwicklung nicht wirklich zu verzeichnen. Noch einmal sank die Zahl der beschäftigten Pflegekräfte bundesweit um rund 9000. Allein in Berlin gibt es inzwischen etwa 700 arbeitslose Pflegekräfte mehr als vor der Pandemie. Gleichzeitig sank auch die Zahl der bei der Arbeitsagentur vakant gemeldeten Arbeitsstellen für Pflegekräfte deutlich. In der Altenpflege waren 2020 fast 3000 freie Stellen weniger am Markt, in der Krankenpflege waren es immerhin 700. 

Fokus auf die Berufsaussteiger

Dabei kann es sich allerdings lediglich um kleine Ausschnitte des wirklichen Marktbedarfs handeln. Denn in der breiten Öffentlichkeit wird seit langem mit ganz anderen Größenordnungen hantiert, die sich am lautstark vermeldeten Bedarf der Branche selbst orientieren. Hinzu kommt, dass immer wieder auch vom völlig leergefegten Markt der freien Pflegekräfte gesprochen wird. Dem widersprechen diese Zahlen deutlich, auch wenn sie insgesamt unvollständig sind.

Immerhin wurden in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland rund 625.000 Pflegekräfte ausgebildet. Davon haben schätzungsweise 335.000 den Beruf wieder verlassen. Diese Zahl hatte zuletzt eine Studie des Medizin- und Pflegeprodukteherstellers Hartman durch den Marktforscher Psyma Health & Care analysieren lassen. Experten allerdings gehen davon aus, dass insgesamt sogar rund 575.000 Pflegekräfte im berufstätigen Alter nicht mehr in ihrem erlernten Beruf tätig sind. Folgt man hiernach den weiteren Ergebnissen der Studie, dann können sich 48 Prozent dieser ausgebildeten Pflegekräfte vorstellen, wieder in ihren alten Beruf zurückzukehren. Damit liegt die Zahl der potenziellen Rückkehrer zwischen 120.000 und 200.000.

Bezahlung ist nicht primäres Problem

Wir haben als Land damit eine Ressource an Pflegekräften außer Dienst, die wir am Markt dringend benötigen, die aber ob der oftmals widrigen Beschäftigungsbedingungen bisher lieber im kaufmännischen Bereich, im Einzelhandel, als Friseurin, in der Logistik, als Kindergärtnerin, in der Gastronomie oder im Facility Management tätig sind. Allen ist eines gemeinsam: Sie sind in ihren neuen Berufen zwar etwas zufriedener, als sie es zuletzt in der Pflege waren. Aber sie sind nicht mehr so glücklich, wie sie es noch am Anfang mit dem gewählten Pflegeberuf gewesen sind. Immerhin 63 Prozent waren ehemals voll zufrieden mit diesem Beruf. Dies sagen von ihren heuten Tätigkeiten nur noch 44 Prozent. Stattliche 70 Prozent würden denn auch am liebsten wieder als Pflegekraft arbeiten.

Die Ex-Pflegekräfte selbst fordern laut der Studie andere Strukturen und Arbeitsbedingungen, einen besseren Personalschlüssel, und erst an dritter Stelle bessere Bezahlung. Die Rückkehr können sich diese Pflegekräfte demnach unter folgenden, vorrangigen Bedingungen vorstellen: den eigenen Ansprüchen entsprechend und unter Anerkennung ihrer Fachlichkeit pflegen zu können, dabei von Vorgesetzten wertgeschätzt zu werden, betrieblich mitbestimmen zu können, das Privatleben nicht ständig ungeplant wechselnden Erfordernissen unterordnen zu müssen, psychisch gesund zu bleiben und dabei der Verantwortung entsprechend angemessen bezahlt zu werden. 

Würden die ehemaligen Pflegekräfte tatsächlich alle binnen weniger Monate in den Beruf zurückkehren, könnte das viele Probleme in der Krankenpflege, aber vor allem in der Altenpflege lösen. Der grob geschätzte Bedarf zur auskömmlichen Versorgung deckt sich zahlenmäßig in etwa mit der weiterhin brach liegenden Ressource potenzieller Berufsrückkehrer. Für den letzten Schritt allerdings braucht es dann wirklich mal ernst gemeinte Strukturveränderungen und vor allem ein Höchstmaß an Ehrlichkeit. Gerade diese ist in den Monaten der Pandemie arg strapaziert worden.

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Bildquelle: bit.ly/3u6LMD2