Leere Taschen: Hat man ein Recht auf Vorschuss?

Leere Taschen: Hat man ein Recht auf Vorschuss?

Von einem Vorschuss und anderen Unterstützungsleistungen seitens des Arbeitgebers haben viele schon einmal etwas gehört.

Doch nicht jeder traut sich, im Fall der Fälle auch beim Chef zu fragen. Dabei kommt es manchmal richtig dicke. Eine Pechsträhne kann es durchaus in sich haben. Auto und Waschmaschine geben gleichzeitig den Geist auf und die Kaution für die Mietwohnung muss auch noch geleistet werden. Da kann der Blick aufs Konto schon erhebliche Schweißausbrüche verursachen. Erst recht, wenn der Monat noch sehr jung ist. Die letzten Ersparnisse hat schließlich der Urlaub geschluckt. Regelmäßig fallen einem dann unweigerlich Banken und Sparkassen ein, die mit verschiedenen Krediten aus der Misere helfen könnten.

Es gibt allerdings hierzu auch Alternativen, die durchaus einer Überlegung wert sind.

Je nach Bedarfsgröße des finanziellen Engpasses, kann man auch den eigenen Arbeitgeber um einen Vorschuss oder um ein Darlehen bitten. Um es gleich vorweg zu nehmen, einen Rechtsanspruch auf Vorschuss gibt es nicht. Allerdings kann die persönliche Situation durchaus dazu geeignet sein, dass der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht gerecht werden muss und mit einem Vorschuss aushilft. Vor allem bei unverschuldeten Notlagen im persönlichen Umfeld bejaht die Rechtsprechung eine Verpflichtung des Arbeitgebers, soweit es ihm auch zumutbar ist.

Ein Lohnvorschuss ist kein Darlehen, sondern eine vorweggenommene Lohnzahlung.

Beide Seiten müssen sich darüber einig sein, dass der Vorschuss mit dem regulär am Monatsende fälligen Lohn verrechnet wird.  Gibt der Arbeitgeber eine größere Geldsumme als monatlich zu vergüten wäre, so handelt es sich um ein Arbeitgeberdarlehen. Die Modalitäten der Rückzahlung können frei vereinbart werden. Allerdings ist bei der Verzinsung zu beachten, dass hier bei Unterschreitung der Marktüblichkeit ein geldwerter Vorteil vorliegt. Dieser ist lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtlich relevant.

Bei treuen und leistungsfähigen Mitarbeitern dürfte der Chef durchaus gesprächsbereit sein, da auch Vorschüsse und Darlehen Wege zu langfristiger Mitarbeiterbindung sein können. Unangenehmer als das Gespräch bei der Bank ist die Offenbarung persönlicher Dinge auch beim Arbeitgeber nicht. Viele Vorgesetzte schätzen ohnehin offene Kommunikation und Ehrlichkeit. Allerdings sollte man alte Vorschüsse schon getilgt haben.

Auch ein Minus auf dem Arbeitszeitkonto stellt übrigens einen Gehaltsvorschuss dar.

Dieser muss allerdings beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis nicht unbedingt ausgeglichen werden. Denn hier hat der Arbeitgeber schlicht versäumt, durch ausreichende Arbeitszuweisung den Abbau des Minus herbeizuführen. Ganz so einfach ist das in der Praxis dann aber doch nicht. Wie so häufig, kommt es schlussendlich auf die Details der Vereinbarung zum Arbeitszeitkonto an. Diese können durchaus einer individuellen Anpassung zugänglich sein.

Ansonsten gehen die Arbeitsgerichte regelmäßig davon aus, dass mit der Vereinbarung eines Arbeitszeitkontos auch stillschweigend die Einigung darüber erzielt wird, dass im Falle eines negativen Kontostandes die darin fixierte Vorleistung des Arbeitgebers mit späteren Vergütungsforderungen verrechnet werden kann. Soweit nichts Gegenteiliges vereinbart ist, enthält die Vereinbarung also auch die stillschweigende Abrede, dass das Konto spätestens mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses auszugleichen ist. Gelingt ein Ausgleich der Minusstunden nicht, so hat der Arbeitnehmer das negative Guthaben finanziell auszugleichen. Dies folgt aus dem Vorschuss-Charakter der Minusstunden.

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Bildquelle: Alexas_Fotos – pixabay.com/de/geldkassette-geld-w%C3%A4hrung-geldkasse-1642989/