Leiser Abschied: Nichtantritt der neuen Stelle

Leiser Abschied: Nichtantritt der neuen Stelle

Die Suche nach einer neuen Stelle konzentriert sich nur selten auf ein einziges Angebot. Gern werden Bewerbungen breit gestreut, um die Chancen zu erhöhen. Die Risikobereitschaft geht manchmal sogar soweit, dass ein Arbeitsvertrag unterschrieben wird, obwohl die Suche nach dem Traumjob weitergeht. Tritt dann der erwünschte Fall ein, dass ein nachfolgendes Angebot den eigenen Erwartungen noch besser entspricht, eröffnen sich rechtliche Fragestellungen. Vor allem geht es um die Lösung der vorab schon eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen. Kann man einfach so wegbleiben? Ein leiser Abschied sozusagen. Oder ist der Nichtantritt der neuen Stelle mit Risiken behaftet?

Zwei Verträge kann man nicht erfüllen, zumindest wenn es sich um Vollzeit-Jobs handelt.

Ein Rücktritt vom Vertrag ist im Arbeitsrecht nicht vorgesehen. Dort gilt der allgemeine Grundsatz, dass Verträge zu erfüllen sind. Will man sich davon lösen, bleibt nur der Weg über eine Kündigung. Das gilt auch vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn. Ist also im verschmähten Vertrag eine Kündigungsfrist enthalten, so führt der Abschied auch zwangsläufig nur über diese. Gibt es hingegen keine vertragliche Frist, dann gilt die gesetzliche Regelung des § 622 BGB. Endet aber die Kündigungsfrist vor dem vertraglich vereinbarten Arbeitsbeginn, so muss das unliebsame Arbeitsverhältnis gar nicht erst angetreten werden. Vertragsbeginn und tatsächliche Arbeitsaufnahme können durchaus zeitlich auseinander fallen. Einer Kündigung bedarf es trotzdem.

Etwas anderes gilt nur dann, wenn im Arbeitsvertrag ausdrücklich geregelt ist, dass eine Kündigung vor Arbeitsantritt unzulässig ist.

Solch eine Klausel ist rechtlich möglich. Dann muss die Stelle angetreten werden und eine Kündigung wäre frühestens am ersten Arbeitstag möglich. Während der einzuhaltenden Frist hat man wohl oder übel seine Arbeitspflicht zu erfüllen. Einzige Möglichkeit für einen schnellen Abschied wäre dann, eine einvernehmliche Regelung zur Aufhebung des Arbeitsvertrages zu finden. Nicht selten stimmen Arbeitgeber solchem Verlangen zu. Mit von vornherein unmotiviertem Personal lässt es sich bekanntlich nicht gut arbeiten. Im Übrigen gilt der Grundsatz aber auch für den Arbeitgeber, der nach einer Vertragsunterzeichnung plötzlich einen anderen Bewerber favorisiert oder gar keinen Bedarf mehr an zusätzlichem Personal hat.

Gefährlich wird es dagegen, wenn man gar nichts tut und den vereinbarten Arbeitsbeginn einfach verstreichen lässt. Dann kann der Arbeitgeber Schadensersatz verlangen, soweit ihm durch den Nichtantritt ein Schaden entsteht. Das können die Kosten einer Aushilfskraft sein, die deutliche Mehraufwendungen verursacht. Ein Schaden kann aber auch dadurch entstehen, dass neue Anzeigen geschaltet werden müssen. Fühlt sich ein Arbeitgeber also hintergangen, so wird er einen Schaden auch leicht beziffern können. Das kann sehr schmerzhaft für den eigenen Geldbeutel werden. Etwas weniger Risiko und mehr Offenheit sind also die deutlich besseren Strategien.

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Bildquelle: Pandan – https://pixabay.com/de/menschen-h%C3%A4ndedruck-handschlag-1320090/