Ausbildungsmarkt weiter in der Krise

Ausbildungsmarkt weiter in der Krise

Der Ausbildungsmarkt in Deutschland ist zu einem echten Problem geworden. Seit Jahren entwickeln sich die Zahlen negativ. Das einst so stolz gepriesene System steckt in einer echten Krise. Dies wurde einmal mehr deutlich, als nun der Berufsbildungsbericht 2019 veröffentlicht wurde. Die darin enthaltenen Zahlen spiegeln natürlich das Jahr 2018 wieder. Traditionell hinken diese Analysen immer deutlich nach. Auch das ist wohl ein Aspekt, der am gesamtgesellschaftlichen Interesse einer echten Problemlösung zweifeln lässt.

Wie schon in den Jahren zuvor festgestellt, drängt es immer mehr Schulabgänger zum Studium.

Auf der anderen Seite bringt eine dramatisch wachsende Anzahl Jugendlicher nur unzureichende Voraussetzungen für eine Berufsausbildung mit. Die Folgen werden von Jahr zu Jahr gravierender. Danach blieben im Jahr 2018 allein rund 57.700 Lehrstellen in Deutschland unbesetzt, die offiziell bei der Arbeitsagentur gemeldet sind. Das bedeutet eine Zunahme von 17,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Demgegenüber fanden im vergangenen Jahr 24.500 junge Menschen gar keinen Ausbildungsplatz und auch keine Alternative. Auch das ist ein Anstieg in Bezug auf das Vorjahr und zwar in Höhe von 3,5 Prozent. Dafür wurden aber fast 270.000 Schulabgänger in den sogenannten Übergangssystemen geparkt, wo sie sich meist ergebnislos in berufsvorbereitenden Kursen und unspezifizierten Maßnahmen versuchen. Darunter befindet sich eine deutlich größer werdende Gruppe Jugendlicher mit Lernschwierigkeiten und/oder mit Migrationshintergrund.

Insgesamt schlossen im Jahr 2018 rund 531.400 Jugendliche einen Arbeitsvertrag ab. Verdeutlicht man sich allein anhand dieser Zahl einmal die Dimension, dann erscheint die Problematik des sogenannten Übergangssystems umso erschreckender. Zur Wahrheit gehört in diesem Zusammenhang aber auch, dass die Zahl der verfügbaren Ausbildungsstellen seit Jahren dramatisch sinkt. Immer mehr Betriebe verabschieden sich aus dem System auskömmlicher Nachwuchsgewinnung.

Doch das sind nur die Befund-Zahlen eines Jahres.

Bereits aus den Jahren zuvor hat sich eine Negativ-Hypothek angesammelt, die inzwischen mehr als 2 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsausbildung umfasst. Der lang erhoffte Positiv-Effekt, der von jungen Flüchtlingen am Ausbildungsmarkt ausgelöst werden sollte, lässt auch immer noch auf sich warten. Bei realistischer Betrachtungsweise müsste man ehrlich konstatieren: Auch hier läuft gehörig viel schief. Junge Ausländer verlassen die Schulen deutlich mehr als doppelt so häufig wie junge Deutsche ohne Abschluss. Von jungen Ausländern starten auch weniger als halb so viele eine Ausbildung wie aus der Mitte der jungen Deutschen.

Die Stimmen, die sofort eine Lösung der Gesamtproblematik parat haben, gibt es immer reichlich.

So auch diesmal. Dabei sind die Vorschläge oft ungeeignet und auch nicht langfristig praktikabel. Allein ein Blick auf die stetig wachsende Zahl unbesetzt gemeldeter Lehrstellen am Ausbildungsmarkt und auf die Prognosen der Statistiker lässt vermuten, dass der Negativtrend sich weiter fortsetzt. So ernst gemeint können die Lösungsansätze wohl bisher alle nicht gewesen sein.

Ohnehin liegt das Problem tiefer: Viele Jugendliche werden nach zehnjährigem Unterricht zunehmend gar ohne Schulabschluss entlassen. Manche haben in der Zeit weder Lesen noch Schreiben gelernt. Von adäquater Ausbildungsvorbereitung ganz zu schweigen. Angebot und Nachfrage passen also immer häufiger nicht zusammen. Solange Schulen und Wirtschaft weiter getrennte Wege gehen, wird sich an den vielen Disproportionen nichts ändern.

Die Vorzüge des hiesigen Ausbildungssystems und die sich daraus ergebenden beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, das sind die Geschichten, die man Schülern frühzeitig vermitteln muss. Viele kennen einfach nicht die Wege, die ihnen offen stehen und wie man sie beschreitet. Schule hat an diesem Punkt bisher nur wenig beigesteuert. Berufsvorbereitung muss endlich wieder zum wichtigen Bestandteil schulischer Bildungswege werden. Auch hier braucht es eine konzertierte Aktion aller Beteiligten.

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Bildquelle: Free-Photos – pixabay.com/de/junge-gitarre-sitzen-im-freien-984293/