Ausbildungssuche als Spiegel der Gesellschaft

Ausbildungssuche als Spiegel der Gesellschaft

Das Dilemma wiederholt sich seit Jahren, Abhilfe ist leider nicht in Sicht:

Die erfolgreiche Ausbildungssuche gelingt immer weniger. Die Zahl unbesetzter Lehrstellen steigt von Jahr zu Jahr. Parallel dazu wächst das Heer unversorgter Bewerber rasant an. Die Säge klemmt also gewaltig, vor allem in Mittelstand und Handwerk. Dabei ist die Thematik des Fachkräftemangels in aller Munde.

Doch trotz großspuriger Versprechen der Politik und trotz Schaffung ständig neuer Bündnisse, die Situation am Ausbildungsmarkt ist keinen Deut besser geworden. Die Ausbildungssuche und die Rekrutierung des dringend benötigten Nachwuchses scheinen komplett verschiedene Wege zu gehen. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres waren nach Angaben des BDA allein bei den Arbeitsagenturen noch 240.875 freie Ausbildungsplätze gemeldet. Dem gegenüber standen 173.414 Jugendliche, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz waren.

Da läuft schon lange viel zu viel gehörig schief.

Obwohl sich das Angebot an Ausbildungsplätzen in den letzten Jahren erhöht hat, sinkt die Zahl der Ausbildungsverträge. Viele Arbeitgeber sprechen dem Gros der Bewerber inzwischen jeglichen eigenen Antrieb ab. Nach Ansicht der Betriebe fehlt es zunehmend an Motivation, nötiger Reife und altersgerecht ausreichenden Kenntnissen. Die Qualität der Bewerbungen nimmt nach ihrer Ansicht Jahr für Jahr weiter ab. Ein teuflischer Kreislauf aus hilflosen Bewerbungen und deutlichen Absagen beginnt, ohne dass er ernsthaft durchbrochen würde.

Das eigentliche Problem wird viel zu selten erkannt und zwar rechtzeitig.

Die Ausbildungssuche läuft heute in der Regel nach Aspekten des Mainstreams. Nur rund 12 Prozent aller Möglichkeiten des Ausbildungsmarktes werden durchschnittlich von den Bewerbern genutzt. Dass dabei die Zeugnisbesten zuerst Berücksichtigung finden, möglichst noch mit einem ansprechenden Abitur, das ist inzwischen die Regel. Hinzu kommen die auch jährlich auf den Ausbildungsmarkt drängenden Studienabbrecher in nicht zu unterschätzender Zahl. Da bleibt für mäßige und schlechte Abgangszeugnisse aus dem Schulbetrieb wenig an Chancen übrig.

Natürlich ist es bei Praktikern umstritten, ob spätere berufliche Leistungen tatsächlich mit den schulischen Ergebnissen vergleichbar sind. Schließlich gibt es viele junge Menschen, die sich besser praktisch als theoretisch entwickeln und ihr wirkliches Potenzial erst im fordernden beruflichen Alltag entwickeln. Auch dafür müssen Chancen geboten werden. Doch auch die gibt es und sie zu finden, ist so schwer nicht. Allein ein Blick auf die Größenordnung beruflicher Möglichkeiten am Ausbildungsmarkt lässt die Dimension erahnen.

Immerhin gibt es in Deutschland derzeit 326 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. Da ist für jeden etwas dabei.

Gerade die sogenannten kurzen Ausbildungsberufe, die nur bis zu einer maximalen Dauer von zwei Jahren konzipiert sind, bieten vor allem überwiegend praktisch veranlagten Bewerbern überaus große Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Die Theorie ist in diesen Ausbildungsgängen auf ein Mindestmaß zusammenschrumpft. Auch die Anzahl der Bewerber bleibt hier deutlich übersichtlicher und die Erwartungshaltung der Ausbilder ist entsprechend angepasst,

Im Anschluss an solch kurze Ausbildung eröffnet sich für jeden Lehrling die Möglichkeit, in der gewählten Fachrichtung einen vollwertigen Ausbildungsberuf, unter Anrechnung des Erstberufes, zu erlernen. Damit wäre die ursprüngliche Benachteiligung aus dem Schulabschluss wettgemacht und das Argument fehlender Ausbildungsreife endlich auch entkräftet.

Wer sich also ernsthaft mit den Angeboten des Ausbildungsmarktes beschäftigt und seine eigenen Möglichkeiten damit realistisch abgleicht, der kann seine Ausbildungssuche durchaus optimieren und die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Bewerbung erheblich steigern.

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Bildquelle: mlinderer – pixabay.com/de/schwei%C3%9Fen-herrengedeck-lehrling-1126752/