Azubi-Suche per Internet wird vernachlässigt

Azubi-Suche per Internet wird vernachlässigt

Irgendwie scheinen aktuelle Entwicklungen und adäquate Reaktionen in Wirtschaft und Gesellschaft immer noch weit auseinander zu liegen. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass einerseits von den Anforderungen der Industrie 4.0 schwadroniert wird und andererseits die Ausbildungsstellen der Betriebe überwiegend nicht über die „neuen“ Medien kommuniziert werden.

Die Azubi-Suche per Internet wird vernachlässigt.

Auch in Zeiten zunehmender Probleme, die passenden Kandidaten und Kandidatinnen zu finden, setzt die überwiegende Zahl der Betriebe in Deutschland bei der Azubi-Suche auf eher traditionelle Vorgehensweisen. In erster Linie favorisieren Unternehmen das altbekannte Betriebspraktikum und die Dienste der Arbeitsagentur. Online-Stellenbörsen, eigene Webseiten und soziale Netzwerke gehören immer noch zu den wenig frequentierten Alternativen für die Personalverantwortlichen im Nachwuchsbereich. Dies zeigen die Ergebnisse eines Forschungsberichts zum Thema „Rekrutierung von Auszubildenden“, der kürzlich im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) entstanden ist.

Seit Jahren wird beklagt, dass Betriebe und Jugendliche immer schwerer zueinander finden.

Der Anteil der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt kontinuierlich, die Zahl der unversorgten Bewerber bewegt sich regelmäßig auf gleichem Niveau. Ein klares Zeichen dafür, dass hier die Mechanismen von Angebot und Nachfrage wenig aufeinander abgestimmt sind. Dabei waren ähnliche Studien auch in den vergangenen Jahren schon diesem Phänomen auf die Schliche gekommen. Umsteuern wäre also längst angesagt gewesen. Doch bei der Azubi-Suche im Internet verhält es sich wie mit der Nachwuchsrekrutierung allgemein in Deutschland: Erst wenn das Problem so richtig fest sitzt und auch spürbar ist, dann wird der Aktionismus zum Handeln ausgelöst.

Der mit Abstand am häufigsten favorisierte Weg, neue Auszubildende zu finden, führt bisher immer noch über die Arbeitsagentur.

Drei von vier Betrieben bemühen deren Vermittlungsdienste, wenn auch mit mäßigem Erfolg. Deutlich zurückhaltender sind die Unternehmen jedoch bei der Nutzung verschiedenster Online-Medien. Obwohl die Erreichbarkeit der avisierten Klientel hier wohl außer Frage stünde. Gerade Betriebe, die es bei der Nachwuchssuche auf dem Ausbildungsstellenmarkt besonders schwer haben, ziehen die Kreise ihrer Auswahl besonders eng. Vorwiegend werden die Angebote mittels Mundpropaganda unter der Belegschaft veröffentlicht. Dies praktizieren vor allem kleine und mittlere Unternehmen, Handwerksbetriebe und Betriebe im gewerblich-technischen Berufsbereich. Auch der Spar-Gedanke dürfte dabei eine tragende Rolle spielen. 

Bei solcher Ignoranz der öffentlichkeitswirksamen und von der Jugend überwiegend genutzten Medien, sollte sich eigentlich keiner der Betriebe mehr über Misserfolge bei der Azubi-Suche beklagen. Es ist an der Zeit, hier flächendeckend umzudenken und mit seinen Angeboten und mit seinem Werben dorthin zu gehen, wo sich die Mehrzahl derer bewegt, die man erreichen will. Die Ablehnung von Online-Stellenbörsen und die Negierung von sozialen Netzwerken ist weder zeitgemäß, noch bringt solch Ignoranz eine positive Tendenz in drängende Nachwuchsprobleme. Was haben junge Menschen in Betrieben zu erwarten, die sich modernster Entwicklung so vehement verweigern?

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Bildquelle: geralt -bit.ly/2Duz74c