Berufskunde ist auch für Lehrer sinnvoll

Berufskunde ist auch für Lehrer sinnvoll

Nicht erst der Social Media Post einer Schülerin machte das Problem bekannt:

Diese hatte vor etwa drei Jahren öffentlichkeitswirksam gepostet, dass sie zu wenig Lebenspraktisches in der Schule gelernt habe. Dafür könne sie aber eine Gedichtanalyse in vier Sprachen aufbieten. Soll heißen: Praktisches Wissen für das weitere Leben wird bisher nur sehr rudimentär und auch äußerst oberflächlich vermittelt. Dazu zählen auch umfassend inhaltliche Kenntnisse über Berufe, die Berufskunde. Doch das deutsche Bildungssystem scheint inzwischen so träge geworden zu sein, dass man der gesellschaftlichen Entwicklung und den sich daraus bildenden Erfordernissen weit hinterher hinkt.

Die Wirtschaft beklagt seit langem eine sinkende Bildungsqualität bei vielen Schulabgängern.

Während Industriebetriebe dazu übergehen, notwendige Kompetenzen bei den Azubis nachträglich und aufwendig zu schulen, verweigern auch viele kleinere Betriebe inzwischen die Aufnahme offensichtlich ungeeigneter Bewerber allein schon aus Kostengründen. Das Ergebnis der Entwicklung ist fatal: Jährlich gibt es eine enorme Anzahl unversorgter Bewerber. Kleinere Betriebe ziehen sich vorerst komplett aus dem Lehrstellenmarkt zurück. Doch dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass rund 25 Prozent der Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz ergattert haben, diesen entweder wechseln oder die Lehre ganz abbrechen.

Gründe für die Passungsprobleme gibt es sicher reichlich.

Einen wichtigen Grund haben Experten nicht zuletzt darin ausgemacht, dass vielen Schulabgängern das Wissen um die Möglichkeiten am Ausbildungsmarkt fehlt. Kaum einem Schüler ist bekannt, dass es mehr als 300 Ausbildungsberufe in 16 Berufsfeldern gibt. Geschweige denn sind inhaltliche Anforderungen auch nur annähernd bekannt. Eine fundierte Berufskunde, die Inhalte, Anforderungen und Perspektiven vermittelt, würde so manchem Azubi den teuren Fehlgriff ersparen. Der Wirtschaft gingen dann weniger Millionen verloren, die in abbrechende Azubis investiert worden sind.

Da die jungen Menschen den überwiegenden Teil ihrer Zeit in der Schule verbringen, sollte auch hier der Grundstein beruflicher Orientierung gelegt werden. Schule soll auf das Leben vorbereiten und zur Aufnahme einer Berufsausbildung befähigen. So steht es in allen Schulgesetzen der Bundesländer geschrieben. Demnach ist es ein unbedingtes Erfordernis, den Schülern qualifizierte Einblicke in den Ausbildungsmarkt zu geben. Auch müssen sie dabei Bewerbungsabläufe und deren Formalien trainieren.

Doch das führt nicht zu sinnvollen Zielen, wenn den Pädagogen selbst das Wissen zur Berufskunde fehlt.

Zuerst müssen also diese umfänglich mit dem Thema vertraut gemacht werden. In Bayern und Baden-Württemberg geht man diesen Weg schon seit geraumer Zeit. Die Erfolge sind wohl mit Blick auf die dortigen Ausbildungsmärkte auch deutlich sichtbar.

Was vor Jahren noch  flächendeckend als Arbeitskunde verpflichtender Lerninhalt war, ist als Unterrichtsfach nicht nur abgeschafft worden. Das Thema scheint vielerorts komplett in Vergessenheit geraten zu sein. Nunmehr wird wieder mal versucht, mit großem finanziellen Aufwand Lehrer und Schule an ihre ureigenen gesetzlichen Pflichten heranzuführen. Berufskunde auch für Lehrer steht hier auf der Agenda. 

Da in vielen Bundesländern inzwischen auch Quer- und Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft in den Schulbetrieb Einlass finden, könnte man diese besonders erfahrene Klientel auch vordergründig für die Berufsorientierung der Schüler begeistern. Aufwand und Nutzen stünden hier mal wieder in einem gesunden Verhältnis.

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Bildquelle: OpenClipart-Vectors – pixabay.com/de/tafel-jungen-kinder-klassenzimmer-1299841/[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]