Das System der Aufstiegsweiterbildungen

Das System der Aufstiegsweiterbildungen

Die Weiterbildung in Deutschland soll und muss gestärkt werden. Hier besteht ein großer Konsens. Gemeint ist dabei das System der Aufstiegsweiterbildungen.

Auf welchem Wege sich hier optimale Strukturen und auch die dafür notwendigen Anreize schaffen lassen, das ist gegenwärtig noch in der Findungsphase. Nicht alles, was dabei thematisiert wird, das trifft auch auf Zustimmung. Ein probates Beispiel dafür sind die nun präsentierten neuen Bezeichnungen für die einzelnen Etappenziele der Aufstiegsweiterbildungen. So soll der Meister künftig ein Bachelor Professional sein und sich hiernach zum Master Professional weiterbilden können. Dabei verschwimmen die Grenzen zu den akademischen Abschlüssen, was den Kern des Anliegens deutlich verfehlt. Das System der Aufstiegsweiterbildungen braucht in erster Linie deutlich mehr Bekanntheit. Nur so kann künftig ausreichend Nachwuchs für eine Alternative zum Studienwahn gewonnen werden.

Aufstiegsweiterbildungen sollen dazu dienen, die Kenntnisse für beruflich anspruchsvollere Aufgaben im Anschluss an eine Ausbildung zu vermitteln.

Gemeint sind damit Meisterkurse oder andere auf einen anerkannten Fortbildungsabschluss vorbereitende Lehrgänge. Dabei ist aber die Ebene der Meister, egal ob im Handwerk oder in der Industrie, noch nicht das Ende der Möglichkeiten. Darauf aufbauend sind weitere Aufstiegsweiterbildungen möglich. Den Nachweis über den Erwerb der erforderlichen Kenntnisse hat man am Schluss der Aufstiegsweiterbildungen in einer Prüfung nachzuweisen. Das Bestehen der Prüfung wird durch eine Urkunde und durch die darin enthaltene Berechtigung bescheinigt, ab sofort den Qualifikationsberuf als Berufsbezeichnung führen zu dürfen. Möglichkeiten zu Aufstiegsweiterbildungen bieten generell alle Branchen. Die Rahmenbedingungen sind durch das Berufsbildungsgesetz, für die IHK-Abschlüsse, und durch die Handwerksordnung, für die Aufstiegsweiterbildungen im Handwerk, verbindlich geregelt.

Als Zugangsvoraussetzung werden eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine meist mehrjährige Berufserfahrung erwartet.

Abschlüsse dieser Art ermöglichen bundesweit und betriebsunabhängig planbare Karrieremöglichkeiten Auch ein Studium rückt damit in greifbare Nähe. Seit dem Jahre 2009 schon ist einheitlich geregelt, dass Meister, Techniker und Fachwirte ein allgemeines Hochschulzugangsrecht mit ihrem Abschluss erwerben. Darüber hinaus sind die Abschlüsse der Aufstiegsweiterbildungen den akademischen Abschlüssen, Bachelor und Master, auf der jeweiligen Ebene gleichgestellt. Das ermöglicht so manchem „Spätstarter“ ungeahnte berufliche Karrierewege, soweit die Chance ergriffen wird. Ob es daneben auch noch der in Rede stehenden Umbenennung der Abschlüsse bedarf, das darf durchaus bezweifelt werden. Zu mehr Verständnis des Systems trägt derlei Symbolik nicht wirklich bei.

Daneben gibt es auch eine Vielzahl alternativer Weiterbildungsabschlüsse.

Das wesentliche Kennzeichen dieser Abschlüsse ist, dass sie an keine gesetzlichen Vorgaben gebunden sind. Auch eine staatliche Anerkennung fehlt. Doch für die Wirtschaft haben sie einen zum Teil hohen Wert, denn häufig fehlen in manchen Branchen vergleichbare staatlich geregelte Abschlüsse. Da die Zugangsvoraussetzungen offener gestaltet sind, bieten diese Qualifizierungen auch jenen Interessenten eine Weiterbildungschance, die nicht bereits schon einschlägige Berufserfahrungen vorweisen können.

Um den finanziellen Hintergrund einer solchen Aufstiegsweiterbildung zu sichern, ist das sogenannte Meister-BAföG geschaffen worden.

Diese Förderung ist aber nicht nur für Meisterkurse zugänglich. Auch andere staatlich anerkannte Aufstiegsweiterbildungen werden durch das zugrunde liegende Gesetz gefördert. Bund und Länder wollen durch die finanzielle Unterstützung von Meisterkursen und Lehrgängen mit vergleichbaren Weiterbildungsabschlüssen das System der beruflichen Qualifizierung in Deutschland weiter festigen und den Fachkräftenachwuchs zu beruflicher Weiterbildung motivieren. So mancher Arbeitgeber bietet auch finanzielle Unterstützung für die Weiterbildung an. Häufig koppelt er diese vertraglich an weitere Jahre des Verbleibs im Betrieb, um auch an den Vorteilen der Weiterbildung teilhaben zu können. Als Gegenleistung winkt oft der Wegfall jeglicher Rückzahlungsverpflichtung.

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Bildquelle: ninocare – bit.ly/2HuIorJ