Späterer Eintritt in die Rente wird diskutiert

Späterer Eintritt in die Rente wird diskutiert

Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben sich mit der anhaltend guten konjunkturellen Lage in Deutschland beschäftigt und öffentlich Bedenken geäußert. Sie vermissen in diesem Zusammenhang mutige Entscheidungen, die den langfristigen wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes Rechnung tragen. Neben Investitionen in die Bildungsinfrastruktur empfehlen sie unter anderem, das System der Rente in Deutschland kurzfristig einer gravierenden Änderung zu unterziehen.

In Anbetracht der demografischen Entwicklung, wonach sich den nächsten Jahren der latente Fachkräftemangel zu einem volkswirtschaftlichen Problem entwickeln könnte, kämen nach Ansicht der Experten auch ernstzunehmende Einbrüche auf die Rentenkassen zu. Der massenhafte Übertritt der sogenannten Baby-Boomer-Generation ins Rentenalter könnte das Finanzierungssystem vor ungeahnte Herausforderungen stellen, wenn nicht gar an seine Grenzen stoßen lassen.

Ein durchgängig späterer Eintritt in die Rente wäre zumindest bei der Finanzierung des Systems hilfreich. Doch hierzu wird auch die Rente mit 67 Lebensjahren noch nicht ganz reichen, wie sie die jüngere Generation nach den derzeitigen Regelungen erwartet.

Die Experten des IWF empfehlen deshalb, das Thema in den Mittelpunkt aktuellen politischen Handelns zu rücken und ernsthaft in Erwägung zu ziehen, die Möglichkeiten des freiwilligen Weiterarbeitens stärker zu fördern. Die gesetzliche Festschreibung eines noch höheren Eintrittsalters in die Rente könnte natürlich auf Anhieb die Rentenkassen erheblich entlasten.

Allerdings gilt ein solches Vorhaben als unpopulär. Das hat vor einigen Jahren die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Einführung der Rente mit 67 gezeigt. Deshalb setzt man inzwischen verstärkt auf die Freiwilligkeit vieler gestandener Fachkräfte, einfach ein paar Arbeitsjahre dranzuhängen. Das tun in letzter Zeit ohnehin immer mehr Arbeitnehmer, da sie sonst in die ernste Gefahr der Altersarmut geraten. Zusätzlich muss aber auch die allzu oft gepriesene Kultur des vorzeitigen Ausstiegs aus dem Arbeitsleben mit Blick auf die langfristige Entwicklung auf den Prüfstand.

Bei immer mehr Menschen besteht das Problem, dass sogenannte Versorgungslücken im Alter entstehen.

Diese gilt es bestmöglich zu schließen. Mit längerer Beitragszeit erwirbt man natürlich auch mehr Ansprüche aus der staatlichen Rente. Für jedes zusätzlich über das Renteneintrittsalter hinaus gearbeitete Jahr zahlt der Staat rund sechs Prozent mehr Rente. Hinzu kommt, dass damit auch eine laufende private Rentenversicherung länger finanziert werden kann und insofern deutlich höhere Summen zu erwarten sind.

Mit einem späteren Eintritt in die Rente müssten allerdings noch weitere Anreize verbunden sein, um die Angst vor möglichen Versorgungslücken nicht zum einzigen Argument längerer Lebensarbeitszeit zu machen. Welche Überlegungen in das erhoffte Handeln der Bundesregierung einfließen werden, das bleibt freilich abzuwarten.

Derzeit steht immer noch der nicht ganz unbegründete Vorwurf, dass die Generationengerechtigkeit vernachlässigt wird, wenn frühe Renteneintritte ohne Abschläge weiter gefördert werden. Es scheint angebracht, sich an die mahnenden Worte des ehemaligen Bundespräsidenten Herzog zu erinnern. Schon vor Jahren hatte dieser angemerkt, dass die junge Generation die Beschlüsse von heute in der Zukunft zu bezahlen hat.

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Bildquelle: geralt – pixabay.com/de/frau-alt-gesicht-alter-oma-1848676/