Wenn Drogen im Job zum Problem werden

Wenn Drogen im Job zum Problem werden

Das Phänomen ist nicht ganz neu, die Fakten allerdings sind alarmierend und erschreckend. Schätzungsweise drei Millionen Menschen in Deutschland haben schon mindestens einmal auf Drogen zurückgegriffen, um mit ihren Arbeitsanforderungen klarzukommen. Regelmäßig dopen sich laut aktueller Studien knapp eine Million Berufstätige überwiegend mit Medikamenten. Man geht aber von einer Dunkelziffer aus, die bis zu zwölf Prozent sogenannte Hirndoper unter der arbeitstätigen Bevölkerung vermuten lässt.

Dabei geht es aber nicht um harmlose Mittelchen.

Alle hier in Rede stehenden Substanzen sind verschreibungspflichtige Medikamente. Sie können also auch erhebliche Nebenwirkungen haben, die jeder vernünftigen Kontrolle entzogen sind. Das Ganze gleicht einem Pulverfass und es stellt sich die spannende Frage nach dem Grund des Aufputschverlangens mittels Drogen.

Wie beim Sport, so ist auch hier die erwartete Leistungssteigerung einer der Verdächtigen. Allerdings auf der Skala der Gründe deutlich verdrängt von Ängsten und Nervosität. Gerade Frauen sind es, die ihr psychisches Wohlbefinden mit der Einnahme von Drogen regelmäßig steigern wollen, wohingegen Männer damit eher Leistung und Konzentration am Limit halten. Der Weg zur Sucht ist auch hier ein schleichender Prozess, den die Betroffenen selbst am wenigsten wahrzunehmen in der Lage sind. Natürlich ist es am besten, Medikamente nie ohne medizinische Indikation und ohne Kontrolle einzunehmen. Doch das Problem des Dopings entsteht ja gerade abseits von diesen Erwägungen der Vernunft.

Vieles wird heute allzu leichtfertig der Leistungsgesellschaft geopfert, der man sich angeblich einfach nicht entziehen kann. Dabei ist das eine glatte Fehlinterpretation. Die Ehrlichkeit bei der Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens und die genaue Kenntnis des eigenen Leistungslimits sind die Dreh- und Angelpunkte des Problems. Damit hat die Leistungsgesellschaft an sich nur sehr wenig zu tun. Es gibt immer Menschen, die bei Tag und Nacht arbeiten können, ohne körperliche Warnsignale zu erhalten. Andere hingegen benötigen Pausen und Ausgleich.

Darüber hinaus heißt es aber auch, Aufgaben abgeben zu können, ohne schlechtes Gewissen und ohne Kontrollwahn. Eine dauernde Selbstüberschätzung und die Ekstase des tätigen Tuns verhindern aber solch nüchterne Erwägungen. Dabei ist die optimale Selbstorganisation durchaus dazu geeignet, nicht den Drogen und dem Selbstbetrug zu verfallen. Jedem, der die Kurve in die Normalität nicht mehr alleine schafft ist zu raten, dass er sich professionelle Hilfe sucht.

Andernfalls können Drogen jeglicher Art zum ernsthaften Gefährder des Arbeitsplatzes werden.

Nach Ansicht des Bundes­arbeits­gerichts genügt allein die Möglichkeit der Gefährdung anderer Personen, um eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen (BAG, AZ. 6 AZR 471/15). Mithin spielt es keine Rolle, ob die Aufputschmittel während der Arbeitszeit oder aber in der Freizeit konsumiert worden sind. Es ist auch unerheblich, ob harte oder weiche Drogen im Spiel sind. Die möglichen Auswirkungen auf Dritte sind das entscheidende Kriterium. Insofern ist auch der Restalkohol relevant, den so mancher bei Arbeitsbeginn mit sich herumträgt.

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Bildquelle: Jills – https://pixabay.com/de/medikamente-krankheit-arzt-frau-1756239/