Nur auf Antrag: Bonus für die Kinder-Erziehung

Nur auf Antrag: Bonus für die Kinder-Erziehung

Kinder sind wichtig für jede Gesellschaft. Sie sichern deren Fortbestand als zukünftige Generation arbeitender Menschen und auch als Einzahler in die sozialen Sicherungssysteme. Da das Heranwachsen der Kinder aber immer mit einem gehörigen Aufwand an Geld und Zeit verbunden ist, entscheiden sich viele Menschen dagegen. Die Paare, die diese Aufgabe stemmen, verzichten regelmäßig auf viele eigene Egoismen. Nicht zuletzt berufliche Karrieren werden dabei unterbrochen oder sogar beendet.

Das bedeutet neben vielen anderen Entbehrungen auch, dass in der gesetzlichen Rentenversicherung ein gehöriges Loch klaffen kann. Um das im Interesse der Gesamtgesellschaft zu kompensieren, gibt es die Anrechnung der sogenannten Kindererziehungszeiten. Damit erhalten Eltern von vor 1992 geborenen Kindern Entgeltpunkte auf ihrem Rentenkonto für einen Zeitraum von 24 Monaten pro Kind gutgeschrieben, für nach 1992 geborene Kinder beträgt der Zeitraum 36 Monate.

Insgesamt ergibt dies einen Entgeltpunkt pro Jahr.

Das entspricht genau dem Rentenanspruch, den ein durchschnittlich verdienender Arbeitnehmer pro Jahr aufbaut. Die so vom Staat eingezahlten Rentenbeiträge für die Erziehungszeiten entsprechen derzeit den Beiträgen eines Versicherten mit einem monatlichen Bruttogehalt von etwa  3000 Euro. Im Fall von Mehrlingsgeburten verlängert sich der Zeitraum entsprechend.

Gutgeschrieben bekommt die Erziehungszeit der Elternteil, der das Kind überwiegend erzogen hat.

Sind das beide Eltern zu gleichen Teilen, wird die Zeit automatisch der Mutter zugeordnet. Soll aber der Vater diesen Ausgleich auf seinem Rentenkonto erhalten, müssen die Eltern in einer gemeinsamen Stellungnahme erläutern, wer genau wann für das Kind die eigene Berufstätigkeit zurückgestellt hat.

Kindererziehungszeiten werden zusätzlich zu zeitgleichen Beitragszeiten aus eigener Erwerbstätigkeit bis zur Beitragsbemessungsgrenze (z.Zt. monatlich 6.700 Euro in den alten und monatlich 6.150 Euro in den neuen Bundesländern) auf die Rente angerechnet.

Daneben können auch sogenannte Berücksichtigungszeiten für die ersten 10 Lebensjahre des jeweiligen Kindes geltend gemacht werden. Kinderberücksichtigungszeiten haben zwar keine direkte Wirkung auf die Rentenhöhe. Allerdings können sie zu einer günstigeren Bewertung anderer Zeiten und somit auch zu einer höheren Rente führen. Außerdem tragen sie zur Erfüllung verschiedener Wartezeiten bei, zum Beispiel in Fällen vorzeitiger Altersrente an langjährig Versicherte.

Doch das Ganze ist kein Selbstläufer.

Inzwischen erhalten zwar alle Eltern Neugeborener auch sehr schnell nach der Geburt des Kindes von ihrer Rentenversicherung Post, wo sie auf diese Möglichkeiten der Rentenanpassung hingewiesen werden. Für alle anderen Generationen heißt es allerdings, das Thema selbst in die Hand zu nehmen. Den Bonus für Kindererziehungszeiten und Berücksichtigungszeiten gibt es nur auf ausdrücklichen Antrag auf entsprechendem Vordruck. Dort müssen die entsprechenden Erklärungen verbindlich abgegeben werden. Der erforderliche Nachweis erfolgt mittels Geburtsurkunde der jeweiligen Kinder.

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Bild: geralt – pixabay.com/de/puzzle-familie-vater-mutter-kinder-210786/