Mit und ohne Corona: Wenn der Urlaub länger dauert

Mit und ohne Corona: Wenn der Urlaub länger dauert

Mit und ohne Corona: Wenn der Urlaub länger dauert

Corona bringt vieles durcheinander, nicht einmal der Urlaub bleibt davon verschont. Viele müssen und mussten deshalb umdisponieren. Doch gänzlich auf eine Reise verzichten wollen dann doch die wenigsten. Immerhin sind die Deutschen auch als Weltmeister im Verreisen bekannt. Zwar hat die Zahl der Urlaubsziele in letzter Zeit einige Einschränkungen erfahren, denn ängstlich sind wir schließlich auch, doch das tut der allgemeinen Reisefreude nicht wirklich Abbruch.

Bei der organisatorischen Vorbereitung wird nichts dem Zufall überlassen, zumindest nichts, was dem planerischen Zugriff deutscher Gründlichkeit zugänglich ist. Schließlich steht die wohlverdiente Erholung an, unliebsame Überraschungen sind da fehl am Platz. Damit die Seele komplett durchbaumeln kann, ist natürlich auch schon an die pünktliche Rückreise gedacht. Wer will schon auf der Strecke bleiben und damit seine wartenden Kollegen verärgern. Gründlichkeit ist schließlich auch eine typisch deutsche Tugend.

Doch wie das eben bei Planungen so ist, nicht alles lässt sich von vornherein exakt kalkulieren.

Gewisse Unsicherheiten bleiben immer. Das können kurzfristige Streiks sein, Wetterunbilden, Verkehrswidrigkeiten oder auch eine Erkrankung. Auch darauf muss man zumindest mit einem Notfall-Plan vorbereitet sein, sei es auch nur mit einem zeitlichen Puffer. Schließlich warten Job und Pflichten.

Natürlich kann man auch im Urlaub krank werden. Diese Tage, soweit sie ärztlich bescheinigt werden, gelten auch nicht als Urlaubstage. Der Chef ist, wie bei jeder Arbeitsunfähigkeit, sofort zu informieren. Das gilt auch für eine Erkrankung im Ausland. Grundsätzlich besitzt ein im Ausland ausgestellter Krankenschein den gleichen Beweiswert wie der im Inland ausgestellte. Allerdings muss erkennbar sein, dass der ausländische Arzt zwischen einer bloßen Erkrankung und einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit unterschieden hat. Daneben muss man auch die Krankenkasse informieren. Wer das unterlässt, gilt nicht als krank.

Die verlorenen Urlaubstage kann man dann aber nicht einfach an den verkorksten Urlaub anhängen.

Hierfür bedarf es einer neuen Urlaubsgenehmigung. In der Regel ist die Urlaubszeit im Betrieb fest eingeplant und auch andere Kollegen warten auf ihr Recht. Deshalb geht ohne die ausdrückliche Genehmigung des Chefs gar nichts.

Verweigert er diese oder äußert er sich überhaupt nicht dazu, gilt der Antrag als abgelehnt. Dann ist pünktliche Rückkehr Pflicht, sonst droht mindestens eine Abmahnung. Bei Selbstbeurlaubung von einer Woche und länger, sehen Arbeitsgerichte sogar eine fristlose Kündigung als gerechtfertigt an. Da hilft es auch nichts, wenn man noch Urlaubstage auf dem Konto hat und eine stattliche Anzahl geleisteter Überstunden.

Völlig verdrängen sollte man allerdings Gedanken an eine vorgetäuschte Erkrankung, die dann auch noch über die Urlaubszeit hinaus andauern soll. Solche Konstruktionen fliegen meist auf und haben konsequenterweise die fristlose Kündigung zur Folge. Das Mitleid der Kollegen wird sich natürlich auch in Grenzen halten.

Alle anderen Reiserisiken, ob nun per Flugzeug, Bahn oder PKW, trägt jeder Arbeitnehmer allein. Steckt man also fest, ist der Chef zwar auch über diese Verzögerung zu informieren. Eine Bezahlung des überzogenen Urlaubs schuldet er aber nicht. Ohne Arbeit keine Vergütung. Was mit der Fehlzeit geschieht, ist rechtlich nicht vorgeschrieben. Zwar darf der Chef nicht einfach Tage des Resturlaubs für die Fehlzeit verwenden, andererseits macht es Sinn, diese zur Verrechnung anzubieten. Gültig ist das aber nur bei gegenseitigem Einverständnis.

Eine Ausnahme davon bildet lediglich der Fall des § 616 BGB. Danach schuldet der Arbeitgeber trotz Fernbleiben des Arbeitnehmers die regelmäßige Vergütung, wenn dieser aus persönlichen Gründen für eine verhältnismäßig unerhebliche Zeit nicht arbeiten kann. Persönliche Gründe sind beispielsweise Erkrankungen oder auch Todesfälle. 

Nun aber bringt das Corona-Virus noch eine Spielart der verzögerten Urlaubsrückkehr ins Spiel.

Das gefürchtete Ansteckungsrisiko verlangt, dass Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber vor der Rückkehr an den Arbeitsplatz mitteilen, ob sie sich in den letzten 14 Tagen in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben oder im nahen Umfeld von Infizierten. Entweder der betroffene Beschäftigte lässt sich dann testen und erbringt den Negativ-Nachweis einer Corona-Infektion oder aber er begibt sich für einen Zeitraum von 14 Tagen in häusliche Quarantäne. Freiwillige Urlaubsverlängerung sozusagen.

Doch dabei stellt sich die wichtige Frage nach der Bezahlung und die ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Denn der § 616 BGB, der die Fortzahlung der Vergütung trotz Nichterbringung der Arbeitsleistung regelt, fordert eindeutig, dass den Betroffenen kein Verschulden an seinem Fernbleiben trifft. Darauf bezieht sich ausdrücklich auch § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG, der bekanntlich die Fortzahlung im Krankheitsfall regelt.

Wer also ein erhöhtes Risiko eingeht, in Kenntnis möglicher Folgen, der darf sich dann auch nicht über die Verweigerung der Fortzahlung wundern. Dabei ist das Risiko nicht immer kalkulierbar. Ein vom RKI definiertes Risikogebiet liegt vor, wenn anhand verschiedener quantitativer und qualitativer Kriterien eine erhöhte Gefahr für eine Infektion mit dem Corona-Virus besteht. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes hingegen führt nicht zwangsläufig zur Pflicht, sich nach den Corona-Regelungen der einzelnen Bundesländer in eine Quarantäne zu begeben. Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes bestehen nämlich auch für Länder, die nicht zwingend zu den Corona-Risikogebieten zählen.

Für den Arbeitgeber macht es also Sinn, die eigenen Beschäftigten vor Urlaubsantritt über die Folgen von Reisen in Risikogebiete zu unterrichten. Sein Fragerecht gegenüber den Urlaubsrückkehrern ergibt sich aus seiner generellen Fürsorge- und Schutzpflicht. Der Arbeitgeber muss seine Arbeitnehmer nach § 618 BGB vor einer Ansteckung durch erkrankte Arbeitskollegen weitestgehend bewahren. Das gilt momentan vor allem auch für Corona-Ansteckungsgefahren.

Die Offenbarungspflicht des Betroffenen wird immer wieder aus der Regelung des § 241 Abs. 2 BGB abgeleitet. Doch ob die Rechtsprechung in zukünftigen Verfahren dieser Auffassung folgt, das wird sich zeigen. Schon in der Vergangenheit sind bei diversen Konstellationen erhebliche Zweifel an der Pflicht zur Offenbarung geltend gemacht worden.

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Bildquelle: Free-Photos – bit.ly/2WmzEwd