Wann der Azubi für einen Schaden haftet

Wann der Azubi für einen Schaden haftet

Wer einem anderen Schaden zufügt, der haftet im Allgemeinen dafür, dass dieser Schaden wieder ausgeglichen wird. Von dieser Regel muss es aber Ausnahmen geben, vor allem, wenn man im Auftrag anderer mit großen Werten hantiert. So etwa im Betrieb oder auf der Baustelle, wo Schäden für Personen oder Sachen schon mal passieren können. Bekanntlich fallen Späne beim Hobeln, wie uns eine alte Weisheit lehrt.

Viele würden sich schlichtweg weigern, teure Maschinen zu bedienen oder Menschen zu beaufsichtigen und zu pflegen, wenn sie jedes Risiko auch noch selbst tragen müssten. Deshalb ist ein Ersatz des Schadens hier auf die Fälle beschränkt, wo ganz bewusst der Schaden und das dazu führende Ereignis gewollt werden oder wenn jegliche Vorsichtsmaßnahmen außer acht gelassen werden. Juristen nennen das Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit.

Bei betrieblich veranlassten Tätigkeiten haftet also zuerst der Arbeitgeber, so ist die Regel. Dies gilt selbst dann, wenn der Schaden durch eine Unachtsamkeit des Arbeitnehmers zustande gekommen sind. Nur Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit können die Haftung für den Verursacher des Schadens begründen.

Doch wie ist das, wenn der Azubi einen Schaden verursacht?

Schließlich sind Auszubildende noch weitgehend unerfahren bei vielen Abläufen im Betrieb. Können sie deshalb einen Bonus für sich in Anspruch nehmen?

Bei betrieblich veranlassten Tätigkeiten gibt es tatsächlich weitere Haftungsbegrenzungen. So muss der Azubi nur für Schäden einstehen, die er bei Anwendung des schon Erlernten und unter Berücksichtigung der erworbenen Erfahrung und der Einsichtsfähigkeit in mögliche Gefahren vermeiden konnte. Den Ausbildungsbetrieb trifft eine gegenüber normalen Arbeitnehmern erhöhte Verpflichtung zur Einweisung und Beaufsichtigung.

Wie immer kommt es auf Details an, wenn dann etwas passiert. So spielt vor allem der Umstand eine Rolle, was bei einer zum Schaden führenden Handlung betrieblich veranlasst war.

Damit musste sich vor einiger Zeit auch das Bundesarbeitsgericht zu beschäftigen (BAG, AZ: 8 AZR 67/14). Im dort entschiedenen Fall hatte ein 19 Jahre alter Auszubildender seinem Kollegen, der sich mit seinen 17 Jahren ebenfalls in der Ausbildung befand, ein etwa 10g schweres Gewicht aus Metall zugeworfen. Dabei warnte er diesen nicht vor und stand zudem noch mit dem Rücken zu ihm. Der werfende Azubi hatte also keinerlei Gewissheit, ob der andere Azubi sich des nahenden Flugobjekts hätte erwehren können. Und es kam natürlich so, wie es kommen musste: Der andere Azubi fing das Metallteil nicht, dafür traf es ihn am Kopf. Der Treffer geriet so unglücklich, dass es sein linkes Auge erwischte.

Diese Wurfaktion hinterließ einen bleibenden Schaden beim Verletzten: Es waren mehrere Operationen nötig, bis schließlich eine künstliche Linse eingesetzt werden musste und der junge Mann eine dauerhafte Einschränkung durch eine Narbe in der Hornhaut davontrug.

Das Gericht war bei seiner Urteilsfindung davon überzeugt, dass der unachtsame Wurf mit einem Gewicht aus Metall nicht betrieblich veranlasst war. Vielmehr geschah diese Aktion aus spielerischem Leichtsinn des hier verantwortlichen Azubis. Trotz seines noch jungen Alters hätte er sich auch den schwerwiegenden Folgen seines Handelns bewusst sein müssen. Deshalb verurteilte ihn das Gericht schlussendlich zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 25.000 Euro.

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Bildquelle: stevepb – pixabay.com/de/spannung-druck-betont-schmerz-624220/