Dein Recht – Bildschirmbrille vom Arbeitgeber

Dein Recht – Bildschirmbrille vom Arbeitgeber

Arbeitsschutz ist existenziell. Eine zentrale Rolle zur Durchsetzung einheitlicher Standards spielt dabei das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Es verpflichtet den Arbeitgeber, sämtliche Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz zu beurteilen und über notwendige Schutzmaßnahmen zu entscheiden. Zur passgenauen Anwendung auf alle erdenklichen Fälle, wird das Arbeitsschutzgesetz durch Arbeitsschutzverordnungen konkretisiert. Eine davon ist die sogenannte PSA-Benutzungsverordnung. Sie regelt die verpflichtende Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstungen durch Arbeitgeber und die zwingende Benutzung derselben. Dazu kann in der modernen Arbeitswelt natürlich auch eine Bildschirmbrille gehören.

Die heute notwendigen Schutzausrüstungen unterscheiden sich erheblich von denen aus der Vergangenheit.

Dies ist vor allem dem digitalen Wandel der Arbeitswelt geschuldet. Eine solche Umgebung ist inzwischen für mehr als 60 Prozent aller berufstätigen Deutschen Alltag. Das bedeutet tägliche Arbeit an Bildschirmen und Displays aller Art. Dass solche Belastungen dauerhaft auf die Augen gehen können, das liegt also im Bereich des Möglichen. Nach neuesten Untersuchungen klagt jeder Vierte bereits über brennende und tränende Augen bei oder nach der Arbeit. Für Abhilfe könnte hier eine spezielle Bildschirmbrille sorgen.

Doch Arbeitsschutz ist eine teure Angelegenheit.

Mit wachsenden Anforderungen steigen auch hier die Kosten. Nicht zur Freude der Arbeitgeber, die diese Kosten verpflichtend tragen müssen. Deshalb wird nicht selten versucht, die Notwendigkeiten zu umgehen. Die persönliche Lesebrille ist dafür so ein Beispiel. Viele Arbeitgeber empfehlen, diese als erste Abhilfemaßnahme zu benutzen. Doch das wird den Ansprüchen an die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers natürlich nicht gerecht. Darüber hinaus stoßen sowohl Lese- als auch Gleitsichtbrillen bei den in Rede stehenden Anforderungen an ihre Grenzen.

Eine Lesebrille ist für den typischen Leseabstand von etwa 30 Zentimetern tauglich. Der Monitor aber ist optimal auf Armlänge entfernt.

Eine herkömmliche Gleitsichtbrille korrigiert zwar im für die Bildschirmarbeit wichtigen Sehabstand von etwa 70 Zentimetern. Jedoch wirkt das nur in einem schmalen Teil des Glases. Um arbeiten zu können, muss die Körperhaltung in ein ungesundes Maß verschoben werden. Es kommt zu typischen Verspannungen in der Halswirbelsäule. Eine Bildschirmbrille hingegen hat einen breiten mittleren Sehbereich. Die Augen können so auch beim Blickwechsel zwischen Tastatur und Bildschirm optimal sehen.

Bereits 30 bis 45 Minuten tägliche Arbeit am Bildschirm sind ausreichend.

Damit kann ein Anspruch auf eine spezielle Bildschirmbrille gegen den Arbeitgeber begründet werden. So entschied das Arbeitsgericht Neumünster (4 Ca 1034b/99). Beratend soll in jedem Fall der Betriebsarzt tätig werden, um die optimale Sehhilfe zu bestimmen. Das formulieren die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) im Anhang Teil 4 (2) unter Punkt 1. und § 6 der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV). Daran aber halten sich bisher nur wenige Arbeitgeber.

Gern wird auf das private Handeln der Arbeitnehmer zum eigenen Schutz vertraut.

In diesem Zusammenhang ist ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin interessant (Az: 58 Ca 5912/16). Dort kam man zu dem Ergebnis, dass es sich bei einer Bildschirmbrille um verpflichtenden Arbeitsschutz handelt und der Arbeitgeber die Kosten für diese spezielle Schutzausrüstung am Arbeitsplatz zwingend tragen muss. Als Anspruchsgrundlage hierfür gilt § 3 Absatz 3 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Die Arbeitsschutzverordnungen und zugrundeliegenden EU Richtlinien enthalten Mindestarbeitsbedingungen, von denen weder durch Erlasse zur Begrenzung der Kostenübernahme noch durch Tarifvertrag abgewichen werden kann.

Der Arbeitgeber hat hiernach die notwendigen Kosten zu tragen, die der Augenarzt im Brillenrezept verordnet. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass er der Eigentümer der Brille ist. Wählt hingegen der Betroffene aus Geschmacksgründen ein anderes Gestell als das vom Arbeitgeber genehmigte, so kann er an den zusätzlich entstehenden Kosten beteiligt werden (BAG, AZ. 5 AZR 493/80). Allein in diesen Fällen ist die Nutzung der Bildschirmbrille dann auch in der Freizeit möglich.

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Bildquelle: PIX1861 – bit.ly/2MS3Xbo