Rückenschmerzen werden zum Problem

Rückenschmerzen werden zum Problem

Inzwischen zählen sie zu den Volkskrankheiten, genau wie Migräne oder Herzerkrankungen: Die Rede ist von Rückenschmerzen. Rund 60 Prozent aller Beschäftigten haben ein dauerhaftes oder dauernd wiederkehrendes Problem mit ihrem Rücken. An jedem Arbeitstag im Jahr fehlen durchschnittlich 70.000 Beschäftigte in den Unternehmen, weil sie Rückenschmerzen haben. Damit zählt diese Diagnose bereits mit zu den häufigsten Gründen für Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung. Vermehrt sind auch bereits junge Menschen betroffen.

Dabei werden sich viele Menschen ihrer Wirbelsäule als Zentrum aller Bewegungen erst dann bewusst, wenn sie schmerzt. Als Säule des Bewegungsapparates integriert die Wirbelsäule alle Bewegungsvorgänge des menschlichen Körpers. Das Rückenmark beinhaltet als Teil des zentralen Nervensystems alle Nervenbahnen, die vom Gehirn in den Körper verlaufen.

Die Anfälligkeit für Rückenschmerzen ist bis heute evolutionsbiologisch bedingt. Der  aufrechte Gang auf zwei Beinen entwickelt sich nun zwar schon seit Jahrmillionen, komplett biologisch angepasst ist der menschliche Bewegungsapparat aber immer noch nicht. In diesen Anpassungsprozess waren und sind natürlich auch Muskeln, Bänder, Bandscheiben, Wirbelgelenke und Nerven einbezogen. Das bedingt die Komplexität so mancher Probleme. Die weichen Bandscheiben beispielsweise, die Knorpel zwischen den Wirbelknochen, sind bei Vierbeinern lediglich für Beweglichkeit der Wirbelkörper untereinander verantwortlich. Beim Menschen müssen sie nunmehr das gesamte Gewicht des Rumpfes tragen und trotzdem Beweglichkeit garantieren. Das birgt Gefahren.

Mehr als 80 Prozent aller Rückenschmerzen werden durch die dort angeordneten  Muskeln, Sehnen und Bänder verursacht. So entstehen Schmerzen häufig durch Überbelastung bei schwerer körperlicher Arbeit, als Folge einseitiger Bewegungsabläufe oder durch Bewegungsmangel. Es werden immer wieder bestimmte Muskelgruppen unterfordert, so dass es zu Ungleichgewichten am Rücken kommt.

Die Schmerzen sind dann in vielen Fällen ein Symptom, das durch Bewegungsmangel und sitzende Lebensweise auch noch begünstigt wird. Doch auch sportlich aktive und bewegliche Menschen sind nicht vor diesen Problemen gefeit. So kann ein plötzlicher Bandscheibenvorfall äußerst unangenehme, stechende oder lähmende Rückenschmerzen verursachen.

In den Rücken können aber auch Schmerzen ausstrahlen, die an ganz anderer Stelle im Körper entstanden sind. So gibt es durchaus enge Beziehungen zwischen Beschwerden der Nieren, der Gallenblase, des Herzens oder auch der Eierstöcke und akuten Rückenschmerzen. Seelische Probleme, Dauerstress und vor allem Depressionen können diese Pein begünstigen oder verstärken. Derlei Symptome gehören ohne Zweifel in die Behandlung ärztlichen Fachpersonals.

Doch die menschliche Wirbelsäule besitzt glücklicherweise ein hohes Maß an Selbstheilungskraft. Oft verschwinden die Beschwerden schon nach wenigen Tagen, soweit man ein Mindestmaß an täglicher Bewegung einsetzt. Denn, mit zunehmendem Alter nimmt der natürliche Drang zur Bewegung immer mehr ab, was oft mit beruflichen Zwängen, aber auch viel mit zunehmender Bequemlichkeit zu tun hat. Dabei ist seit langem bewiesen, dass uns Bewegung immer hilft, egal in welchem Alter wir uns befinden. Ohne eine solche gerät die körperliche Stabilität gefährlich ins Wanken, da die Muskulatur keine Stärkung mehr erfährt.

Natürlich gibt es auch Hemmnisse, die sich nicht mehr so einfach beheben lassen. Fehlstellungen, einseitige Belastungen oder auch altersbedingter Verschleiß verursachen mit der Zeit dauerhafte Beschwerden, die dann ärztlich betreut werden müssen.

Soweit wir dem Rücken und seiner Bedeutung für unser Wohlbefinden etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, lassen sich auch die Ausfallzahlen im Job und die Frühverrentungen deutlich senken. Selbstverständlich spielt der innere Schweinehund dabei eine entscheidende Rolle.

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