Digitalisierung in der Bildung bleibt mangelhaft

Digitalisierung in der Bildung bleibt mangelhaft

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran, in allen Lebensbereichen. Sie dringt auch in Sphären vor, die wir als Deutsche bisher immer noch für nicht digitalisierbar gehalten haben. Unser Denken aber hinkt noch viel zu oft der Entwicklung nach. So beispielsweise in der Bildung. Während in Deutschland sehr träge daran gewerkelt wird, die Klassenzimmer mit Computern auszustatten und die Breitband-Infrastruktur für die Internetnutzung zu schaffen, ist man international schon längst dabei, die zukunftsorientierten Inhalte der benötigten Software immer weiter zu optimieren.

Was das für zukünftige Generationen bedeuten kann, das mussten viele Schülerinnen und Schüler in der Pandemie wiederholt und leidlich erfahren. Was da so alles immer noch als digitale Lernform proklamiert wird, das hat mit den Möglichkeiten des 21. Jahrhundert nur sehr wenig gemein. Wir haben in Deutschland den Anschluss längst verloren. Gerade deshalb muss auf diesem Gebiet endlich Gas gegeben werden. Weitere Versäumnisse rächen sich sonst demnächst mit gravierenden ökonomischen Nachteilen.

Es gibt in Deutschland keinen verlässlichen Datenbestand hinsichtlich der digitalen Infrastruktur an Schulen.

Nach Aussage führender Bildungsforscher ist Schule weitestgehend dort stehengeblieben, wo es um die Hardware geht – ein Whiteboard für die Klasse, mancherorts sogar einen Computer für jeden Schüler. Gelernt wird über alle Schulformen bis hin zur Berufsschule aber weiter im Akkord. Individualisierung ist weitestgehend ein Fremdwort. Schüler müssen immer noch gleichgeschaltet funktionieren.

Darüber hinaus fehlt es bei der Lehrerschaft flächendeckend an digitalen Kompetenzen und einer gezielten Weiterbildung. Eine gelebte Kultur der Verweigerung erschwert demnach nicht nur die Digitalisierung an den Schulen, sie wird weitestgehend verhindert. Eine zukunftsweisende Strategie für den Einsatz der komplexen digitalen Möglichkeiten fehlt bisher völlig. 

Mit zeitgemäßer Wissensvorbereitung auf die Berufsfindung und das künftige Leben hat das natürlich nichts gemein. Da sind viele europäische Staaten und vor allem die oft gescholtenen Amerikaner deutlich fortschrittlicher orientiert. Dort stellen immer mehr Softwarefirmen ihr Know-how privaten aber auch staatlichen Schulen zur Verfügung. Die zeitgemäße Entwicklung der digitalen Kompetenz wird geradezu forciert.

Education Technology, kurz EdTec, ist so ein Trendfeld der Software-Kreativen.

Wer hier die innovativsten Lösungen hervorbringt, kann sich des Interesses vieler Investoren sicher sein. Dann nimmt die Entwicklung des Themas erst so richtig Fahrt auf. Kein Wunder also, dass man sich vor allem im Silikon Valley dieser Materie widmet. In neue, außergewöhnliche Bildungsplattformen wird vor allem in den USA seit Jahren viel Geld investiert. Dabei hat der wirkliche Hype auf diesem Gebiet gerade erst begonnen.

Es geht aber hier nicht um kleine digitale Helfer und anderen Schnickschnack. Es geht um völlig neue Lernwelten, wo Klassenarbeiten und Tests keine Rolle mehr spielen. Jeder soll mit Hilfe intelligenter Software sein Potential frei entfalten können, weil die Förderung dabei grundsätzlich individuell ausgerichtet ist. Nicht der zu vermittelnde Stoff steht im Mittelpunkt, sondern die Möglichkeiten des Einzelnen. Das komplexe Begreifen vielschichtiger Entwicklungsbreite und -tiefe ist in Deutschlands heutiger Schulform für Lehrer nicht möglich. Zu eng ist die Bindung an den vorgegebenen Lernstoff.

Dabei wird das digitale Lernen in naher Zukunft auch bei uns die Rolle des Lehrers völlig verändern. Vor allem bei der Vermittlung von Grundlagenwissen kann die Technik effizient entlasten. Der Trend ist durch die Pandemie verstärkt worden, trotz aller Versäumnisse  aus der Vergangenheit.

Lehrer werden demnach in Zukunft nicht mehr die alleinigen Vermittler des Wissens sein, sondern eher Sachwalter, die ihre Schüler durch die Komplexität der gebotenen Möglichkeiten lotsen und begleiten. Schüler selbst werden durch Interaktionen mit modernen Systemen die Inhalte füllen, vervollständigen und ständig aktualisieren.

Auch hierzulande könnten Lehrer neue Methoden unterschiedlichster Plattformen durchaus schon umfassend nutzen.

Das tun sie bisher aber kaum. Zu umständlich und langsam malen die Mühlen deutscher Bürokratie. Persönliches Engagement vieler Lehrkräfte trifft auf Unverständnis seitens der politisch Verantwortlichen. Eine Kultusministerkonferenz, die an Behäbigkeit nicht mehr zu überbieten ist, grätscht immer noch in jede Innovation bremsend hinein. Viel zu angenehm ist inzwischen die selbst verordnete Bedeutung geworden. Geschwindigkeit wirkt da nur störend.

Auch eine Staatsministerin für Digitalisierung konnte in den vergangenen Jahren nicht mit Ergebnissen brillieren, die ihrer Position ein gewisses Maß an Rechtfertigung verleihen könnten. Wirkliche Innovationen wurden weder angestoßen noch intensiv gesucht. Ansonsten wäre man auch im digitalen Entwicklungsland Deutschland fündig geworden. Geld war schließlich genug vorhanden. Es kam nur nicht dort an, wo Digitalisierung das Thema Bildung hätte umfassend aufgreifen können.

Inzwischen gibt es nun ein dafür zuständiges Bundesministerium. Doch das allein macht die Dinge noch nicht besser. Allein der Glaube fehlt inzwischen, dass Innovationen mit der notwendigen Konsequenz und Geschwindigkeit auch umgesetzt werden. Viel zu restriktiv sind die Ansätze, die sich immer wieder vor allem in übermäßig verklausulierten Regelwerken verheddern.

Dabei gibt es auch hierzulande gute Ansätze beim digitalen Lernen.

Da Fortschritt und Innovation sich bekanntlich nie aufhalten lassen, werden es letzten Endes Schüler, Studenten und auch Lehrer selbst sein, die das Ganze auch ins deutsche Bildungssystem einbringen und Veränderungen der Lernkultur damit erzwingen. Schulbücher und ähnliches Material wird man dann schon in wenigen Jahren nicht mehr brauchen.

Darüber hinaus könnte eine anhaltende und finanziell großzügige Förderung der Digitalisierung in der Bildung noch ein weiteres Problem mindern: Gemeint ist der allgegenwärtige Lehrermangel. Bisher überbieten sich die einzelnen Länder mit oft fragwürdigen Lösungsansätzen, die vor allem aber von Verzweiflung zeugen. Es braucht hier eine konzertierte Aktion des Bundes, ähnlich der in der Pflege. Der Staat macht sich lächerlich, wenn er Schulpflicht propagiert und die zeitgemäßen und auskömmlichen Voraussetzungen dafür nicht bieten kann. Die Digitalisierung schafft bereits in vielen Wirtschaftszweigen personelle Entlastungen. Warum nicht auch demnächst in der Bildung?

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Bildquelle: kalhh – bit.ly/30ut2Mk