Gut zu wissen: Pflegeunterstützungsgeld

Gut zu wissen: Pflegeunterstützungsgeld

Pflegeunterstützungsgeld ist eine der Lohnersatzleistungen, die nur wenigen bekannt ist. Anders lässt sich die Zurückhaltung bei dieser Thematik kaum erklären. Was ist das also, was sich hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt?

Um den eigenen Nachwuchs in den ersten Lebensmonaten liebevoll betreuen zu können, gibt es die Möglichkeit der bezahlten Elternzeit. Bei der plötzlichen Pflegebedürftigkeit eines nahen Angehörigen, sieht das Ganze etwas anders aus. Da hier vordergründig auf die Leistungen aus der Pflegeversicherung abgestellt wird, erfährt das eigene familiäre Engagement nur eingeschränkt Unterstützung. Ein Pflegefall kündigt sich allerdings oft nicht an, er ist plötzlich präsent. Dann gibt es einiges zu organisieren, nicht zuletzt auch, um einen verlässlichen und professionellen Pflegedienstleister zu finden. Nicht jeder kann es sich leisten, die eigene Berufstätigkeit deswegen sofort und ganz aufzugeben. Hier kommt das Pflegeunterstützungsgeld ins Spiel.

Anspruch ist gesetzlich garantiert

Alle Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf eine zehntägige Freistellung, wenn in der Familie ein akuter Pflegefall auftritt. Um die Hürden möglichst klein zu halten, werden diese freien Tage direkt beim Arbeitgeber beantragt. Dazu genügt ein kurzes Schreiben zur Darstellung der Situation und mit einem Nachweis zur akuten Pflegesituation. Das Ganze besitzt auch als E-Mail Gültigkeit. Die Größe des Betriebes spielt dabei keine Rolle.

Für die beantragte Zeit, maximal aber 10 Tage, gibt es eine Lohnersatzleistung gemäß § 44a Abs. 3 SGB XI. Dieses Pflegeunterstützungsgeld ist nicht vom zu erwartenden Pflegegrad der betroffenen Person abhängig. Es dient in erster Linie der Organisation künftiger Pflege naher Angehöriger. Neben der Pflege eines pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung, wird auch die Betreuung eines pflegebedürftigen minderjährigen Kindes in einem Krankenhaus oder Hospiz einbezogen. Dies gilt auch für die Begleitung von nahen Angehörigen in der letzten Lebensphase.

Daneben bezieht der Rechtsanspruch auf 10-tägiges Fernbleiben von der Arbeit und Gewährung von Pflegeunterstützungsgeld neben Großeltern und Eltern, Schwiegereltern, Ehegatten, Lebenspartnern und Partnern in einer eheähnlichen Gemeinschaft, auch Stiefeltern, Schwägerinnen und Schwager sowie Partner in lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaften mit ein. Ebenso sind auch Geschwister, Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder sowie Schwieger- und Enkelkinder als nahe Angehörige anzusehen.

Voraussetzung für Pflegeunterstützungsgeld

Um das Pflegeunterstützungsgeld erhalten zu können, bedarf es bei Antragstellung einer akuten Pflegesituation. Eine solche ist gegeben, wenn erstmals eine bedarfsgerechte Pflege oder Unterbringung im Heim organisiert werden muss, beispielsweise nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder einer Reha-Klinik. Alternativ besteht eine Akutsituation, wenn sich eine bestehende Pflegebedürftigkeit so verschlimmert, dass der pflegebedürftige Angehörige sofort erst einmal in Eigenregie unterstützt werden muss.

Den Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld haben alle Arbeitnehmer, auch Minijobber und befristet Beschäftigte, soweit es nahe Angehörige betrifft. Keinen Anspruch darauf haben Selbstständige, Beamte und Bezieher von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld.

Das Pflegeunterstützungsgeld beträgt 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts, ohne Einbeziehung von Einmalzahlungen in den letzten 12 Monaten. Alternativ können 100 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgeltes beansprucht werden, soweit Einmalzahlungen in den letzten 12 Monaten in die Berechnung einbezogen werden. Maximal werden von der Pflegekasse 98,88 Euro pro Tag gezahlt.

Beantragt wird das Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse beziehungsweise der privaten Pflegeversicherung des pflegebedürftigen Angehörigen. Neben dem Antrag bedarf es einer formlosen ärztlichen Bescheinigung zur voraussichtlichen Pflegebedürftigkeit des Angehörigen. 

Zusätzlich muss auch eine Entgeltbescheinigung des Arbeitgebers eingereicht werden. Diese sollte die Versicherungsdaten des Antragstellers enthalten und Angaben über etwaige beitragspflichtige Einmalzahlungen.

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Bildquelle: gillnisha – bit.ly/33cBMXL