Freiwilligendienste – Sprungbrett und Problemlöser

Freiwilligendienste – Sprungbrett und Problemlöser

In der Regel treten Politiker aller paar Jahre an, um aktuelle Probleme der Gesellschaft mit durchdachten Entscheidungen zu lösen. Über Lösungsansätze und Argumente entscheidet letztlich die Wahl. Soweit die hehre Theorie. In der Wirklichkeit sieht das leider immer wieder etwas anders aus. Da wird lediglich in Aussicht gestellt, über profunde Lösungsansätze zu verfügen. Doch werden diese dann oft erst in der jeweiligen Legislaturperiode entwickelt. So wie bei der Thematik des Fachkräftemangels in der Pflege. Deshalb steht dort auch immer wieder eine Dienstpflicht in Rede. Das, obwohl es seit langem sehr verlässliche Instrumente am Markt gibt: Die Freiwilligendienste erledigen bisher sehr klaglos das, was gesellschaftlich lange verschlafen wurde. Würde man diese auch noch gesamtgesellschaftlich aufwerten, dann können daraus auch zukünftig echte Problemlöser werden.

Freiwilligendienste sind eine Form des sozialen Engagements. Die Aufgabenfelder sind breit gestreut, ein Spielfeld für viele Interessen.

Lange schon stieg die Zahl derer, die sich zeitlich begrenzt in den Dienst für andere stellen, stetig an. Doch seit 2018 ist ein konstanter Rückgang des Interesses zu verzeichnen. Mangelndes gesellschaftliches Anerkenntnis und nur sehr geringe finanzielle Unterstützung laden nicht gerade dazu ein, das Ganze zu einem MUSS persönlicher Entwicklung werden zu lassen. Dabei sind die Dienste im gesamtgesellschaftlichen Interesse und könnten bei deutlich besserer Förderung auch so manches Personalproblem lösen, kurzfristig und vor allem auch langfristig. 

Immerhin entscheiden sich noch jährlich Tausende Jugendliche nach dem Abschluss ihrer Schullaufbahn für zeitlich begrenzte Freiwilligendienste. Die Motivationen hierfür sind durchaus ähnlich: So werden oft die nötigen Impulse gesucht, um für sich persönlich eine ansprechende berufliche Zukunft zu finden. Für andere ist es eine sinnvolle Überbrückung der Wartezeit auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz. Mancher Teilnehmer setzt auch auf den Vorteil: So können Freiwilligendienste als Praktikum oder Anerkennungsjahr für bestimmte Ausbildungen oder Studiengänge Berücksichtigung finden. Die Zeit wird bei vielen Hochschulen als Wartezeit angerechnet und ermöglicht oft Sonderpunkte bei der Bewerbung.

Entgegen vieler Behauptungen sind die Freiwilligendienste aber nicht durchgängig nur für junge Menschen geöffnet. Vor allem im Bundesfreiwilligendienst setzt man verstärkt auch auf das Engagement älterer und erfahrener Menschen. Umso unverständlicher erscheint es, dass derlei Einsatz weitestgehend ein Randthema ist und nur sporadisch Anerkennung erfährt. Derlei gehört in die Mitte der Gesellschaft und vor allem auch finanziell stärker gefördert.

Zur Orientierung, die bekanntesten Freiwilligendienste:

Bundesfreiwilligendienst (BFD)

Der BFD ist die Nachfolgeinstitution des Zivildienstes auf freiwilliger Basis. Dafür steht der Dienst natürlich auch Frauen und älteren Menschen offen. Abgeleistet wird der Dienst vor allem in Einrichtungen der Wohlfahrts-, Gesundheits- und Altenpflege sowie der Behindertenhilfe, aber auch in der Kinder- und Jugendhilfe, im Katastrophenschutz oder im Umweltschutz. Der Dienst dauert auch hier in der Regel 1 Jahr, mindestens jedoch 6 Monate, höchstens 24 Monate. Als Aufwandsentschädigung werden mindestens 150 Euro pro Monat bezahlt, höchstens jedoch 357 Euro. Urlaub bekommt man natürlich auch, mindestens 24 Tage pro Jahr. Bewerben muss man sich beim jeweiligen Träger, der auch die Versicherung übernimmt. Im Unterschied zu anderen Programmen gibt es keine Altersgrenze nach oben, die Dauer kann auf zwei Jahre verlängert und auch in Teilzeit durchgeführt werden. Zudem sind nach fünfjähriger Pause Wiederholungen möglich. Wie der Name schon sagt, kann der BFD nur in Deutschland geleistet werden, während FSJ und FÖJ auch im internationalen Rahmen geleistet werden können.

Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) und Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ)

Beide Freiwilligendienste unterscheiden sich allein hinsichtlich der Einrichtungen, in denen sie abgeleistet werden können. Während das FSJ vorwiegend in der Alten-, Kranken- oder Behindertenpflege, der Kinderbetreuung, Jugendfreizeit, im Sport, der Kultur oder in der Denkmalpflege erfolgt, bieten für das FÖJ vor allem Einrichtungen in der Landschafts- und Forstpflege, in der ökologischen Landwirtschaft, in der Umweltbildung, in der Umweltinformation sowie Religionsgemeinschaften Plätze an. Sowohl FSJ als auch FÖJ dauern in der Regel 1 Jahr, mindestens jedoch 6 Monate und höchsten 18 Monate. Bewerben muss man sich beim jeweiligen Träger, der auch die Versicherung übernimmt. Zugang besteht nach dem Ende der Schulpflicht bis zum 27. Lebensjahr. Aufwandsentschädigung und Urlaubsanspruch sind identisch mit denen im BFD.

Europäischer Freiwilligendienst (EFD)

Beim Europäischen Freiwilligendienst wird die Möglichkeit geboten, in einem Zeitraum von sechs bis 12 Monaten ins europäische Ausland zu gehen. Dort arbeitet man in einer gemeinnützigen Einrichtung oder Organisation und lernt gleichzeitig den Lebensalltag des Landes kennen. Projekte gibt es im sozialen, kulturellen, sportlichen oder ökologischen Bereich. Mitmachen kann jeder, der zwischen 18 und 25 Jahren alt ist. In Ausnahmefällen kann man auch schon ab 16 bzw. bis 30 teilnehmen. Ansonsten sind keine Bedingungen gegeben. Der EFD ist ein von der Europäischen Union gefördertes Programm und für die Freiwilligen kostenlos. Daneben gibt es noch diverse internationale Freiwilligendienste, wie zum Beispiel „weltwärts” oder „kulturweit“.

Mehr interessante Themen von TEMPBUS jetzt auch in Buchform hier: 

Bildquelle: neno57 – pixabay.com/de/cartoon-frau-kindern-familie-mutter-1813757/