Irrwege in der Ausbildung sind vermeidbar

Irrwege in der Ausbildung sind vermeidbar

Die Zahl der jungen Menschen, die ihre Ausbildung abbrechen, wurde kürzlich wieder in den Medien thematisiert. Ganz erschrocken stellte man fest, dass im Durchschnitt jeder vierte Azubi vorzeitig hinschmeißt. Dabei ist die Tendenz schon seit Jahren erkennbar. Und das, obwohl die Ausbildungschancen in vielen Bundesländern besser sind als je zuvor. Vielerorts übersteigt die Zahl freier Ausbildungsstellen die der möglichen Bewerber deutlich.

Viele “Kenner” der Thematik haben dann auch sogleich die Gründe für das Abbrecher-Problem parat: zu wenig Geld, zu viele Überstunden, weitgehender Missbrauch als billige Arbeitskraft.

Ohne Zweifel, diese Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Allerdings sind sie auch nicht neu. So mancher erinnert sich wohl noch an den Vergleich von Lehr- und Herrenjahren. Der eigentliche Ansatz zur langfristigen Lösung des Problems dürfte indes an anderer Stelle zu suchen sein.

Mach ein Studium, dann hast du Erfolg. Diesen Schwachsinn bekommen junge Menschen seit langem eingeimpft. Unterfüttert wird die Argumentation mit den vorgeblich besseren Arbeitsmarktchancen von Akademikern und dem angeblich deutlich höheren Verdienst. Schaut man sich die Sache aber genauer an, so lässt sich relativ zügig die Oberflächlichkeit dieser Behauptungen erkennen.

Mehr noch: Für viele der inzwischen 2,8 Millionen Studenten wird das Studium zur Sackgasse.

Akademiker arbeiten, trotz Studienabschluss, immer häufiger in Berufen, für die gar kein Studium notwendig wäre. Auf der anderen Seite verdienen Hochschulabsolventen nach Beendigung des Studiums nicht zwangsläufig mehr als ein Berufsanfänger nach der Ausbildung.

Der Umkehrschluss aus diesem Vergleich ist es aber, der aufhorchen lassen muss. In zunehmendem Maße fehlen damit geeignete Bewerber für das System der dualen Berufsausbildung. Viele Handwerker finden schon heute keine geeigneten oder gewillten Bewerber. Sie verlassen das System Ausbildung und kehren mit ihren Betrieben auch nicht wieder zurück. Damit dürfte sich die Fachkräftesituation in den nächsten Jahren erheblich zuspitzen. Für den industriellen Erfolg Deutschlands ist deren Arbeit aber von existenzieller Bedeutung. Mit einem deutlichen Akademiker-Überschuss und ohne ausreichend gewerbliche Ausbildung, werden wir über kurz oder lang erhebliche Wohlstandsprobleme bekommen.

Sinnvoll wird es deshalb sein, die Möglichkeiten der dualen Ausbildung früher, umfänglicher und anschaulicher zu vermitteln. Viel zu kurz kam bisher die komplexe Darstellung dessen, was sich auf einem klassischen Weg der Berufsausbildung alles erreichen lässt. Natürlich lassen sich auch hier Wege zum Studium bahnen, allerdings mit vorheriger Ausbildung und mit Praxiserfahrung unterlegt. Aber auch der Meisterabschluss, nach einer handwerklichen oder gewerblichen Ausbildung, muss wieder deutlich mehr Gewicht bei der Darstellung möglicher Berufskarrieren gewinnen.

Ein erster Schritt der Aufwertung wurde getan, indem man den Abschluss als Meister oder Techniker dem Bachelor-Abschluss gleichgestellt hat.

Meisterbriefe enthalten fortan den Hinweis, dass der Abschluss im Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen (DQR / EQR) dem Niveau 6 entspricht. Dieser Stufe ist auch der Bachelor zugeordnet.

Bei dieser Gleichstellung wird der Wert beruflicher Erfahrung ganz deutlich: Meister und Techniker können sich zwar damit nicht Bachelor nennen, aber sie können Funktionen übernehmen, wo dieser Abschluss gefordert wird. Auf der anderen Seite ist der Bachelor-Absolvent noch lange kein Meister oder Techniker. Er müsste die Ausbildung erst komplett absolvieren. Die Wertstellung beruflichen Könnens ist also eindeutig.

Damit wird es Zeit, der jungen Generation endlich alle Möglichkeiten beruflicher Zukunft zu empfehlen, die Anforderungen und Inhalte frühzeitig zu thematisieren und auch die Konditionen nicht zu verschweigen. So lassen sich Irrwege in der Ausbildung oft vermeiden.

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Bildquelle: Eluj – bit.ly/2L2PCrX