Praxistest und Chance: Kein Ferienjob ohne Regeln

Praxistest und Chance: Kein Ferienjob ohne Regeln

Das Schuljahr neigt sich seinem Ende entgegen. In vielen Bundesländern beginnen in Kürze die Ferien.

Endlich all das tun, was während stressiger Schulwochen zu kurz kommt. Mit Müßiggang hat das aber nur in den wenigsten Fällen etwas zu tun. Viele Schüler wollen in den Ferien arbeiten, ihre finanzielle Basis verbessern. Das Leben ist teuer, schon als Schüler. Handy, Klamotten, Party, alles ist mit Kosten verbunden. Wohl dem, der seinen Geldbeutel regelmäßig nachfüllen kann. Deshalb sind gerade Ferienjobs beliebt. Da kann man ordentlich klotzen. Doch einiges beachten muss man schon, damit sich das Ganze zum Schluss auch lohnt. Kein Ferienjob ohne Regeln.

Im Gegensatz zu vielen falschen Darstellungen, liegt das Mindestalter für Aushilfsjobs bei 13 Jahren.

Darunter geht offiziell nichts. 13- bis 15-Jährige dürfen täglich zwei bis drei Stunden leichte Tätigkeiten ausüben. Ab dem 15. bis zum 18. Lebensjahr dürfen Schüler maximal 40 Stunden pro Woche im Rahmen der Fünf-Tage-Woche arbeiten. Mit einer Einschränkung: Die Arbeit muss zwischen sechs Uhr morgens und 20 Uhr abends stattfinden. Nachtarbeit ist in der Regel in diesem Alter verboten. Von dieser Regel gibt es nur wenige Ausnahmen: Im Bäckerhandwerk dürfen 16-Jährige um 5 Uhr anfangen, 17-Jährige um 4 Uhr. In der Landwirtschaft dürfen Jugendliche über 16 Jahre ab 5 Uhr bzw. bis 21 Uhr arbeiten. Im Gaststättengewerbe sogar noch eine Stunde länger. Arbeiten 14- oder 15-Jährige in künstlerischen Bereichen, dürfen sie mit Erlaubnis des Jugendamtes auch bis 22 Uhr arbeiten. An Wochenenden und Feiertagen gilt, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ein Arbeitsverbot für alle Jugendliche.

Unabhängig vom Alter, spielt vor allem die Art der Beschäftigung beim Ferienjob eine wichtige Rolle.

Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, den sogenannten Minijob und die kurzfristige Beschäftigung. Beim Minijob, auch 450-Euro-Job genannt, verdient man höchstens 450 Euro im Monat. Davon muss man weder Sozialversicherungsabgaben noch Steuern abführen. Beides übernimmt der Arbeitgeber. Der Minijobber hat also keine Abgaben.

Das zweite Beschäftigungsmodell für den Ferienjob ist die kurzfristige Beschäftigung.

Sie ist ebenfalls versicherungsfrei. Allerdings nur insoweit, als dass im Jahr nicht mehr als zwei Monate beziehungsweise 50 Tage gearbeitet werden. Um daneben auch steuerfrei zu bleiben, darf das durchschnittliche Arbeitsentgelt pro Tag bei maximal 62 Euro liegen. Die Obergrenze beim Stundenlohn beträgt zwölf Euro. Das Steuerrecht schreibt daneben vor, dass man bei einer kurzfristigen Beschäftigung nicht mehr als 18 zusammenhängende Arbeitstage arbeiten darf.

Natürlich stehen arbeitende Jugendliche unter einem zusätzlichen Schutz, was vor allem im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt ist.

So müssen ihnen bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als viereinhalb und bis zu sechs Stunden mindestens 30 Minuten Pause gewährt werden und 60 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden. Daneben erwerben diejenigen, die mehr als einen Monat vertraglich tätig sind, natürlich auch anteiligen Anspruch auf Erholungsurlaub. Dieser muss, soweit er nicht gewährt werden kann, zusätzlich zur Auszahlung kommen. Jugendliche unter 18 Jahren, die noch keine Berufsausbildung absolviert haben, gelten allerdings nach den Bestimmungen des Mindestlohngesetzes nicht als Arbeitnehmer. Der gesetzliche Mindestlohn muss erst ab dem 18. Lebensjahr bezahlt werden. Trotzdem darf die Vergütung auch bei jüngeren Schülern nicht in einem auffälligen Missverhältnis zur geleisteten Arbeit stehen. Sonst wird das ganze Vertragsverhältnis auch beim Ferienjob als sittenwidrig und nichtig deklassiert.

Soweit zu den Rahmenbedingungen beim Ferienjob. Doch ein solcher kann, neben den anfangs beschriebenen Motivationen, auch ein Praxistest für alle Beteiligten sein.

Weitsichtige Arbeitgeber sind gut beraten, zukünftige Nachwuchskräfte auch über einen Ferienjob zu gewinnen. Wer hier die Rahmenbedingungen perfekt gestaltet und sich auch nach Ablauf der Zeit weiter um Kontakt bemüht, der kann echte Interessenten für eine spätere Ausbildung im Unternehmen gewinnen.

Die Ferienjobber selbst sammeln erste Erfahrungen. Insofern macht es auch hier Sinn, den Ferienjob eng an den eigenen Interessen auszurichten. Wer hier überlegt und konsequent vorgeht, der gewinnt erste Berufserfahrungen. Diese können bekanntlich ein ganzes Leben prägen und gereichen auch im Lebenslauf zu einem ersten Achtungszeichen.

Mehr interessante Themen von TEMPBUS jetzt auch in Buchform hier: 

Bildquelle: Graham-H – bit.ly/2x2tuV3