Die Bezahlung im Job wird zum ernsten Problem

Die Bezahlung im Job wird zum ernsten Problem

Die Bezahlung im Job wird zum ernsten Problem

Die Corona-Pandemie hat ohne Zweifel zu gravierenden wirtschaftlichen Verwerfungen geführt. Stabilitätsprogramme haben das ganze Ausmaß dabei etwas verschleiern können. Die Langzeitwirkung schlägt dennoch erheblich zu Buche, auch und vor allem auf den Konten der Beschäftigten. Einbußen bei der Bezahlung für besonders gebeutelte Branchen sind inzwischen gelebte Wirklichkeit geworden. Hinzu kam nun auch noch mit voller Wucht die Rückkehr der Inflation. Damit bleibt der Optimismus für viele Menschen deutlich auf der Strecke

Doch sobald der Staat sich wieder auf seine eigentlichen Funktionen besinnt würde und der Marktwirtschaft das Heft des Handelns vollständig zurücküberträgt, könnte darin auch eine Chance des längst überfälligen Wandels liegen. Dazu braucht es Fachkräfte, klar. Diese zu binden und auch mit intelligenten Anpassungsmaßnahmen aus anderen Branchen zu gewinnen, das müsste inzwischen Hauptaugenmerk eines jeden Chefs sein.

Spätestens an diesem Punkt kommt die auskömmliche Bezahlung wieder ins Spiel, ist sie doch ein wesentlicher Faktor wirtschaftlichen Überlebens. Doch viele Betriebe scheinen, nichtsdestotrotz, wesentliche Voraussetzungen der Fachkräftesicherung inzwischen auch verlernt zu haben. Sonst gäbe es nicht so viele unversorgte Jugendliche, die zu Beginn eines jeden neuen Ausbildungsjahres ohne Lehrvertrag dastehen. Dieses Problem ist vor allem in den Ballungszentren zu beobachten. Doch auch die Bezahlung der Arbeit bereitet Probleme.

Mindestlohn kein Standard bei Bezahlung

Vor allem ausgebildete Fachkräfte kennen ihren Wert und wollen diesen natürlich heute auch selbstbewusst am Arbeitsmarkt erzielen. Das ist in einigen Branchen aber auch schon bisher ein schwieriges Unterfangen. Viele der Betriebe zahlen Löhne und Gehälter, die weit unter marktüblichen Bedingungen liegen, nicht erst seit Pandemie-Zeiten. Maßstab der Üblichkeit sind dabei vielfach Tarifverträge, doch die sucht man zunehmend vergeblich. Nach jüngsten Erhebungen arbeiteten zuletzt nur noch rund 53 Prozent der westdeutschen und 43 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben. Beschäftigungsboom und Bezahlung bewegen sich demnach nicht im Gleichklang.

Das wird auch anhand einer weiteren Entwicklung am Arbeitsmarkt deutlich: Die Zahl der Menschen, die einen Nebenjob ausführen, steigt rasant an. Derzeit üben mehr als 4 Millionen Menschen einen Nebenjob aus. Die meisten Nebenjobs gibt es dabei im Einzelhandel und im Gastgewerbe, in anderen wirtschaftlichen Dienstleistungen und im Gesundheits- und Sozialwesen. Grund für die Doppelbelastung ist überwiegend die nicht ausreichende Bezahlung bei nur einem Job.

Sichere Arbeitsplätze und eine existenzsichernde Entlohnung sind aber heute Maßstäbe, an denen sich Fachkräfte orientieren. Der Mindestlohn ist dabei kein Standard. Betriebe, die weiterhin Niedriglöhne unterhalb branchenüblicher Tarifverträge zahlen, werden wohl zukünftig die Verlierer im Wettbewerb um die Fachkräfte sein. Auch die im Ausland aufwendig angeworbenen Fachkräfte müssen sich das Leben in Deutschland leisten können.

Die gesetzlichen Eingriffe, die seitens der Politik hier in den letzten Jahren versucht worden sind, waren alle untauglich. Die Problematik der Bezahlung tritt immer deutlicher zu Tage. Soweit es kein generelles Umdenken zum Umgang mit dem Wohlstandsniveau zukünftiger Generationen gibt, wird sich die gegenwärtige Entwicklung noch weiter verschärfen.

Bezahlung gilt immer noch als Geheimnis

In diesem Zusammenhang fällt ohnehin eine Besonderheit des deutschen Arbeitsmarktes auf: In kaum einer Stellenanzeige werden die finanziellen Konditionen klar benannt. Was in anderen Ländern längst zum Standard gehört, das wird in Deutschland meist konsequent verschwiegen. Über Geld spricht man nicht!

Welch fataler Irrweg. Gerade mit der transparenten Gestaltung der Konditionen kann ein Arbeitgeber heute punkten. Nichts wünschen sich Kandidatinnen und Kandidaten einer vakanten Stelle mehr als Ehrlichkeit und Offenheit von Beginn an. Damit ließe sich rechnen und planen. Jeder hätte vor Beginn einer Bewerbung schon Gewissheit. Als Nebeneffekt käme es relativ schnell auch zur allgemeinen Niveauanhebung der Bezahlung im Job. Wer will bei drängenden Aufträgen zukünftig schon das Nachsehen haben, allein weil die dafür nötigen Arbeitskräfte fehlen.

 

Noch mehr Antworten auf drängende Fragen gesucht? Unser Ratgeber ist der Helfer für schwierige Zeiten im Job.

Bildquelle: Bru-nO – bit.ly/3i4YPeM