Dilemma: Lehrstellensuche und Angebotsqualität

Dilemma: Lehrstellensuche und Angebotsqualität

Die Problemlage wiederholt sich seit Jahren, Abhilfe ist leider nicht in Sicht:

Eine erfolgreiche Lehrstellensuche gelingt immer weniger. Die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze steigt von Jahr zu Jahr. Auf der anderen Seite wächst das Heer unversorgter Bewerber rasant an. Die Säge klemmt also gewaltig, vor allem in Mittelstand und Handwerk. Dabei ist die Thematik des Fachkräftemangels in aller Munde.

Doch trotz großspuriger Versprechen der Politik und trotz Schaffung ständig neuer Bündnisse, die Situation am Ausbildungsmarkt ist keinen Deut besser geworden. Die Ausbildungssuche und die Rekrutierung des dringend benötigten Nachwuchses scheinen komplett verschiedene Wege zu gehen. Am 31. Juli 2019 waren allein bei den Arbeitsagenturen noch 207.200 freie Ausbildungsplätze gemeldet. Das sind immerhin 3 Pro­zent mehr als zum sel­ben Zeit­punkt 2018.

Dem gegenüber stehen aktuell 133.700 Jugendliche, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind.

Da läuft einiges gehörig schief, immer noch.

Das stetig wachsende Problem im Bereich der Fachkräfte müsste eigentlich bedeuten, dass die Lehrstellensuche immer weniger zu einer Suche und immer öfter zu einer Umwerbung durch Arbeitgeber wird. Doch weit gefehlt. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Die beiderseits Suchenden finden sich leider immer seltener. Die Schuld daran trägt, natürlich, immer der andere Teil. Gemeint sind Arbeitgeber und Bewerber. Viele Arbeitgeber sprechen inzwischen von einem drastisch sinkenden Niveau und von fehlender Motivation bei vielen Bewerbungen. Fest gemacht wird dies in erster Linie an der Qualität eingehender Unterlagen.

Das Dilemma beginnt drastisch und nachhaltig bei der Lehrstellensuche, wo Schulabgänger immer häufiger direkt an der ersten Hürde scheitern.

Das Schreiben einer vernünftigen und fehlerfreien Bewerbung für den ersehnten Ausbildungsplatz, ist für viele Jugendliche geradezu ein Kraftakt. Oft genug geht das gründlich schief. Denn immer konsequenter weigern sich Betriebe, das Gestammel als Werbung für eine zukünftig fruchtbringende Zusammenarbeit zu verstehen. Die Spirale aus ständig neuen Bewerbungen und Absagen wird schier unendlich.

Dabei kann sich eine vernünftige Präsentation bei der Lehrstellensuche durchaus als profunder Türöffner für viele Bereiche und Möglichkeiten erweisen. Deshalb sind Scheu und übertriebener Eigensinn hier völlig fehl am Platz. Notfalls kann man sich auch für das Gestalten und Formulieren einer Bewerbung Unterstützung suchen. Betriebe bedienen sich schließlich auch der Hilfe von Marketingagenturen, die ihnen die Werbung für Produkte und Dienstleistungen abnehmen. Man muss also nicht immer alles können, aber seine Stärken sollte man schon bestmöglich anpreisen (lassen).

Doch derlei Kritik müssen sich leider auch viele Unternehmen selbst gefallen lassen

Vor allem im Dienstleistungsbereich präsentiert man sich selbst sehr nachlässig auf den Stellen- und Ausbildungsmärkten. Dass die Suche nach passendem Personal qualitativ ansprechend und natürlich werbend sein muss, scheint noch längst nicht in den Köpfen aller Arbeitgeber angekommen zu sein. Viele Formulierungen, soweit man das oft nur bruchstückhaft aneinander gereihte Gestammel überhaupt so bezeichnen will, regen mehr zum Rätseln und Staunen an, weniger zu einer Bewerbung.

Statt mit ansprechend formulierten und inhaltlich klaren Angeboten, werden die Leser regelmäßig mit völlig verhunztem Deutsch konfrontiert. Oft ist den Formulierungen beim besten Willen nicht zu entnehmen, was der Betrieb da wirklich sucht. Diese Nachlässigkeit schreckt natürlich die meisten Suchenden ab. Wer will schon Gefahr laufen, nach getaner Arbeit ebenso nachlässig behandelt zu werden. Wer sich als Arbeitgeber hiernach noch wundert, wenn sich nicht die Besten des Marktes bewerben und wer dann auch noch über die Qualität der Bewerber höhnt, der liegt gehörig neben der Spur.

Umso qualifizierter die gesuchte Kraft sein soll, desto besser klappt das inzwischen. Das ist zumindest ein Anfang. Doch auch ein Lehrling oder eine Hilfskraft haben es verdient, dass man sich ihnen vernünftig vorstellt. Genau das ist schließlich der Sinn einer Stellenanzeige. Wie es in den Wald hineinruft…

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Bildquelle: USA-Reiseblogger – bit.ly/2AdKl8t