Ein erfolgreiches System in der Krise

Ein erfolgreiches System in der Krise

Die Verknüpfung von Berufsschule und betrieblicher Praxis gilt weltweit als wegweisend.

Die duale Ausbildung hat lange Zeit das positive Image deutscher Wirtschaft in der Welt verstärkt. Doch in den letzten Jahren ist das System in Deutschland ins Gerede gekommen. Dabei treten viele Unzulänglichkeiten zu Tage, die aber bisher weder offen diskutiert noch einer Lösung zugeführt werden. Vielmehr wird permanent die Schuld zwischen Bildungsverwaltung und Vertretern der Wirtschaft hin und her geschoben. Den Schulabgängern und den Auszubildenden hilft das herzlich wenig. Sie bleiben regelmäßig auf der Strecke.

Viel zu lange ist das ursprünglich mal sehr durchdachte System unangetastet geblieben.

Jegliche Erneuerung und Anpassung an wirtschaftlich notwendige Veränderungsprozesse geht seit Jahren an den Berufsschulen vorbei. Auf einen rasant wachsenden Bedarf an Fachkräften in den Bereichen Informationstechnik, Kommunikationstechnik oder Elektronik ist man dort schlicht nicht vorbereitet. Es fehlen Fachkräfte zur Vermittlung des Wissens ebenso, wie auch die technische Ausstattung hierfür. Das veranlasste schon viele Großbetriebe dazu, eigene Berufsschulen massiv auszubauen, in denen bedarfsgerecht und innovativ ausgebildet wird. Diese Eigenlösung ist extrem teuer, aber auch in höchstem Maße effektiv.

Das Gros der Berufsschulen allerdings leidet unter zunehmendem Azubi-Mangel.

Viele Betriebe haben ihr Ausbildungsangebot stark gekürzt. Andere finden unter den Schulabgängern immer weniger geeignete Nachwuchskräfte. Die Bildungsverwaltung steht doppelt unter Druck. Die wichtigste Aufgabe von Schule ist die qualifizierte Vorbereitung auf einen Abschluss, der zur Aufnahme einer beruflichen Ausbildung befähigt. Wenn Betriebe heute beklagen, dass Bewerber kaum rechnen können, Rechtschreibung und Sprache nur dürftig beherrschen und ihre sozialen Kompetenzen kaum ausgeprägt sind, ist der Auftrag von Schule schlicht nicht erfüllt. Die Betriebe verzichten immer mehr auf derlei Schulabgänger, diese landen dann in der Endlosschleife von Vorbereitungsmaßnahmen.

Mit abnehmender Schülerzahl entzieht die Verwaltung dem System der Berufsschulen auch Geld. Damit kann sich dieses nicht weiterentwickeln und verwaltet oft nur noch den Mangel. Um nicht auch noch den Ruf gegenüber der IHK und den Azubis zu verlieren, werden die Qualitätsanforderungen in der Ausbildung immer weiter abgesenkt. Das bringt die einstmals zum Vorzeige-System gewordene duale Ausbildung in Verruf. Doch nun nur noch Studienabbrecher zu umwerben, kann keinesfalls die Lösung der Probleme sein. Sie werden nicht unbedingt die besseren Fachkräfte.

Es ist höchste Zeit, dass Betriebe nicht nur auf Besten-Fang gehen, sondern lange vor dem Abschluss in die Schulen.

Dort können sie ihr Zukunftspersonal zeitig umwerben, interessieren und auch fördern. Die Bildungspolitik ist gefordert, endlich die Berufsschulen an die Technologieanforderungen der Gegenwart anzupassen und die frühe Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaft zu fördern. Es reicht eben nicht, auf starke Technologieunternehmen im Land nur zu hoffen und über die Industrie 4.0 zu sinnieren. Das benötigte Personal ausbilden zu können, gehört verbindlich dazu. Sonst lohnt sich ein Standort Deutschland bald nicht mehr.

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Bildquelle: Comfreak – pixabay.com/de/frau-bibliothek-b%C3%BCcher-b%C3%BCcherei-3435842/