50plus ist noch lange keine Zeit für Müßiggang

50plus ist noch lange keine Zeit für Müßiggang

Der demographische Wandel ist allgegenwärtig. In vielen Betrieben und vor allem auch im öffentlichen Dienst wurde die zunehmende Alterung der Gesellschaft lange ignoriert. Nun hinterlässt die veränderte Alterspyramide bereits sehr deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Fehlende personelle Ressourcen sind Erscheinungen, die Unternehmen in ihrer künftigen Personalpolitik vor neue Herausforderungen stellen. Doch ein generelles Umdenken ist in der Praxis hierzu immer noch nicht zu verzeichnen. Obwohl viele vakante Stellen inzwischen immer länger unbesetzt bleiben, gibt es bei Personalverantwortlichen weiterhin Vorurteile gegenüber Bewerbern der Generation 50plus. Sobald eine bestimmte Altersgrenze überschritten ist, gelten Menschen hierzulande als zu alt. Ein eklatanter Widerspruch zu allem, was  gesunder Menschenverstand und auch die Wissenschaft empfehlen:

Die Generation 50plus wird gebraucht. 

In umfangreichen Studien über das kognitive Altern wurde inzwischen nachgewiesen, dass die Fähigkeiten mit dem Lebensalter zunehmen und ihren Höhepunkt zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr erreichen. In der Lebensmitte entwickelt das Gehirn offenbar neue Stärken. Es vermag die Informationen deutlich besser zu verknüpfen und Unwichtiges schneller auszublenden.

Im Zusammenspiel mit der inzwischen komplex abrufbaren Erfahrung, können so diverse Probleme angegangen und gemeistert werden. Was im Volksmund als Bauchgefühl oder Intuition bezeichnet wird, ist nichts anderes als erworbenes Wissen, das vom Gehirn in unzähligen ähnlichen Situationen getestet und als Musterlösung abgespeichert worden ist. Daneben zählt Bildung zu den besten Indikatoren für den Ausbau der geistigen Fitness, auch noch im mittleren Alter. Die ständige Aneignung von neuem Wissen und dessen praktische Anwendung bleiben unerlässlich.

Doch das alles nützt wenig, wenn man um die fünfzig auf den Modus Müßiggang schalten soll. Denn viele Personalchefs fürchten mangelnde Flexibilität, gesundheitliche Beeinträchtigungen und unrealistische Erwartungshaltungen vor allem bei finanziellen Konditionen. Dabei sind diese Vorbehalte nicht unbedingt ein Abbild der Wirklichkeit. Hier liegen oft arg verschrobene Vorstellungen über die Leistungskurve der Generation 50plus zugrunde. Damit laufen aber auch seit vielen Jahren selbst teure Bundesprogramme ins Leere, die gerade dieser Klientel helfen sollen. Für viele Berufserfahrene endet der berufliche Lebensweg dann leidlich in endlosen Bewerbungstrainings, Selbstfindungskursen oder gar in der Zwangsverrentung.

In einigen Unternehmen hat man inzwischen die Gesamtproblematik der Generation 50plus erkannt:

Es droht schließlich ein gewaltiger Verlust von Know-How, wenn sich ganze Jahrgänge mehr oder minder zwangsweise aus dem aktiven Arbeitsleben verabschieden müssen. Die Fälle, in denen Fachkräfte sehr kostspielig wieder reaktiviert werden müssen, häufen sich gerade in letzter Zeit. Das betrifft auch nicht allein die Privatwirtschaft. Auch bei Kommunen, Ländern und dem Bund als Arbeitgeber hat ein Umdenken eingesetzt. Beispielsweise rekrutiert man in einigen Bundesländern wieder Lehrer, die längst, wenn auch im Rückblick vorschnell, aufs „Altenteil“ geschickt worden waren. Doch auch so mancher Kleinbetrieb oder Handwerker könnte auf diesem Wege sein akutes Personalproblem etwas eindämmen.

Durch interessante Angebote können ältere Arbeitnehmer heute gut und langfristig eingebunden werden. Demografieorientiertes Personalmanagement heißt diese Lösung. Sie beinhaltet neben einer gezielten Nachfolgeplanung auch die Einrichtung von Langzeitarbeitskonten, flexible Modelle für Arbeitszeit und Arbeitsorganisation, ein wirksames Gesundheitsmanagement und auch individuell abgestimmte Weiterbildungsangebote. Dieses Engagement kann sich auszahlen, für das Unternehmen insgesamt und für den Nachwuchs im Besonderen. Denn ein Vertreter der Generation 50plus kann zugleich auch ein guter Mentor und Ausbildungspate sein.

Doch derlei Entwicklungen stecken heute leider immer noch in den Kinderschuhen. Da wird lieber ausufernd und auf allen Kanälen vom Fachkräftemangel schwadroniert. Der staatlich gelenkte Zuzug qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland soll plötzlich die alleinige Lösung aller Probleme versprechen. Die Generation 50plus hat deutlich mehr Beachtung und Wertschätzung verdient.

Mehr interessante Themen von TEMPBUS jetzt auch in Buchform hier: 

Bildquelle: fotoblend – bit.ly/2OaH0Nl