Kreativität – Baustein beruflicher Orientierung

Kreativität – Baustein beruflicher Orientierung

Wir leben in einer komplex vernetzten Welt.

Der Zugang zu Informationen aller Art war noch nie so leicht wie heute. Da muss es schon verblüffen, dass die Berufswahl für Schulabgänger ein stetig wachsendes Problemfeld darstellt. Mehr als 25 Prozent der Jugendlichen haben beim Verlassen der Schule keinen Plan für die Zukunft. Aus reinem Aktionismus werden dann Berufsausbildungen begonnen, die weder persönlichen Neigungen entsprechen noch sonderliches Interesse auslösen. Die Abbruchraten wachsen seit Jahren. Ähnlich katastrophal sieht es bei denjenigen aus, die mangels Plan ein Studium beginnen. Dabei kann man derlei Orientierungslosigkeit positiv beeinflussen, durch frühzeitige Förderung von Kreativität.

Auf Albert Einstein soll das Zitat zurückgehen, dass alle Kinder als Genies geboren werden.

Sie kommen auf die Welt und wissen nicht, wie diese beschaffen ist. Das müssen sie erst erforschen, die lauernden Gefahren erkennen und auch Grenzen des Handelns ausloten. Dadurch reifen Kinder und sie lernen, sich in einer komplizierten Welt zurecht zu finden. Hilfreich dabei sind das unbekümmerte Spiel und der natürliche Bewegungsdrang. Denn dies alles dient eben keinem Selbstzweck. Es fördert Lösungsansätze und Entscheidungen – Kreativität also.

Kreatives Handeln wird so für Kinder entwicklungsdominierend und sie lernen dabei so schnell und soviel wie in keiner herkömmlichen Schule. Später dann scheint es, als wäre der geniale Funke, den man bei Kindern noch beobachten kann, bei den meisten Erwachsenen verschwunden. Dabei bilden sich in der Kindheit die Grundlagen späteren Handelns und auch die der besonderen Interessen. Oft spielt das direkte körperliche Erleben dabei eine Schlüsselrolle. Das alles ist für Eltern nicht immer leicht zu ertragen, vieles wirkt gefährlich, manches ist es auch. Doch die Vielfalt des Erlebten bietet später auch ein Höchstmaß an Potenzial, auf das man zurückgreifen kann.

Um den Drang der Neugier und damit letztlich die Kreativität zu fördern, braucht es für jedes Kind einen Rahmen zur Entfaltung. Oberste Regel dabei muss sein, dass jeder Eingriff den kreativen Prozess in seiner Ausprägung beeinflusst. Eltern, Lehrer und Erzieher sollten die Kinder deshalb in ihren Schaffensphasen nicht übermäßig stören und schon gar nicht erwarten, dass am Ende des Tuns immer auch ein Ergebnis steht.

Manchmal ist einfach der Weg das Ziel.

Natürlich haben viele Erwachsene den Blick für viele Lösungen, doch diese helfen dem Nachwuchs nicht in der Ausprägung eigener Ideen. Kreativität kann man nur fördern, indem Neugierde ermutigt wird, jedes Ergebnis eine Beachtung und auch entsprechende Würdigung erfährt. Vor allem Schulen stehen seit langem in der Kritik, gerade das Gegenteil zu betreiben: Zensuren sind dort bis heute das Maß aller Dinge. Kreativität des Einzelnen passt nur selten in deren Bewertungsrahmen. 

Doch unsachliche Kritik, haarspalterische Bewertungen oder gar Abwertungen waren schon immer kontraproduktiv. Sie ersticken die Lust auf Neues, auf das simple Ausprobieren.

Längst sind die Probleme erkannt. Neurobiologen, Psychologen und auch Pädagogen warnen seit langem davor, die Kreativität des Nachwuchses bewusst zu unterdrücken. Zeigen doch aktuelle Entwicklungen in der Arbeits- und Berufswelt schon die Ergebnisse des Irrweges. Das Interesse an technischen Ausbildungsrichtungen schwindet dramatisch, MINT-Studienfächer sind vielfach unterbelegt, selbst der pädagogische Nachwuchs auf diesen Gebieten ist zur Mangelware geworden. Es ist also höchste Zeit, wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Durchbruch zu verhelfen, indem man die Forschungsergebnisse schnellstmöglich in die Praxis umsetzt. Auf diesen Gebieten braucht die Schule endlich Nachhilfe, damit die natürliche Kreativität des Einzelnen sich durch intensive Förderung entfalten kann.

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Bildquelle: congerdesign – pixabay.com/de/sand-sandkasten-sandburg-kind-2548132/