Hartnäckigkeit lohnt sich – auch beim Arbeitsunfall

Hartnäckigkeit lohnt sich – auch beim Arbeitsunfall

Ein Arbeitsunfall ist keine angenehme Sache.

Oft bleibt neben dem Schrecken auch noch ein körperlicher Schaden zurück. Zuletzt stieg die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland auf 876.579. Davon waren 424 Ereignisse mit einem tödlichen Ausgang verbunden. Die Zahl der tatsächlichen Unfälle dürfte weit darüber liegen, da in der Statistik lediglich die meldepflichtigen Ereignisse berücksichtigt werden. Meldepflichtig ist ein Arbeitsunfall immer dann, wenn er tödlich endet oder es in der Folge zu einer Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit von mehr als 3 Werktagen kommt. Die Meldepflicht dient allerdings in erster Linie der Prävention und der Statistik.

Da derlei Meldungen im Unternehmen eine wahre Papierflut auslösen, wird ein minder schweres Ereignis gern heruntergespielt. Dem jeweils Betroffenen kann daraus aber kein Schaden entstehen, wenn der Arbeitsunfall an sich bewiesen werden kann. Über einen solchen Fall, der inzwischen mehr als 50 Jahre zurückliegt, hatte vor einiger Zeit das Sozialgericht Dresden zu befinden (AZ: S 39 U 320/12). 

Ein inzwischen 72-jähriger Mann beantragte im Jahre 2011 die Anerkennung eines Arbeitsunfalls, den er 1966 erlitten hatte.

Er arbeitete damals als Gleisbauhelfer bei einem Betrieb, den später die Deutsche Reichsbahn übernahm. Bei Gleisbauarbeiten in Prenzlau war nach seiner Schilderung eine Kleinlokomotive entgleist. Mit einer Winde habe man versucht, die Lok aufzugleisen. Die Winde sei dabei ausgerutscht. Sie habe den kleinen Finger der linken Hand des Klägers und das zugehörige Gelenk der linken Hand samt anschließendem Mittelhandknochen stark gequetscht. In der Folge kam es zur Amputation des kleinen Fingers. Die zuständige Berufsgenossenschaft Bund und Bahn als Unfallkasse verweigerte jedoch die Anerkennung eines Arbeitsunfalls. Dabei verwies man auf fehlende Unterlagen zum Ereignis, die zwingend vorliegen müssten.

Der Betroffene verklagte die Unfallkasse auf Anerkennung als Arbeitsunfall und auf Leistungen infolge der Beschädigung seiner Gesundheit.

Die Richter gaben der Klage statt und verurteilten die Berufsgenossenschaft antragsgemäß. Der Kläger konnte das Gericht mit seinen detaillierten Darstellungen überzeugen. Zusätzlich fand sich ein Behandlungseintrag von damals im SV-Ausweis des Mannes, der mit der Verletzung zusammen passte. Schlussendlich führte ein Gutachter aus, dass der fehlende Finger durchaus mit einem Arbeitsunfall in Zusammenhang gebracht werden kann.

Damit erklärte das Gericht einmal mehr der fälschlichen Annahme eine Absage, dass Leistungen der jeweils zuständigen Unfallkasse nur bei einem registrierten Arbeitsunfall zu erwarten sind. Im Zweifel genügt demnach auch eine überzeugende Beweisführung.

Mehr interessante Themen von TEMPBUS jetzt auch in Buchform hier: 

Bildquelle: stevepb – https://pixabay.com/de/verletzungen-erste-hilfe-verband-903380/